Augentrost: augenförmige Blüten – augenfreundliche Wirkungen

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Laut Sage soll man das ganze Jahr über keine Augenprobleme bekommen, wäscht man sich mit dem ersten im Frühling gefundenen Augentrost die Augen aus. Tatsächlich hilft das Heilkraut – nomen est omen – gegen allerlei Augenleiden. Überdies stärkt es alle Schleimhäute.

Mit etwas Phantasie erinnern die weißen bis blassvioletten Blüten der zu den Sommerwurzgewächsen (Orobanchaceae; früher: Zurechnung zu den Braunwurzgewächsen = Rachenblütler = Scropholariaceae) zählenden Pflanze mit ihren violetten Längsadern, dem gelben Fleck und der schwarzvioletten Mitte an Augen, was ihrer Namensgebung Vorschub leistete. Aber der Augentrost bezieht sich nicht nur in puncto Äußerlichkeiten und Bezeichnung auf die Sehorgane. Auch seine Heilkräfte soll er gemäß der Signaturenlehre, wonach man vom Aussehen einer Pflanze auf ihre Heilwirkung schließen kann, vornehmlich an den Augen entfalten. Darüber hinaus kuriert er Beschwerden der oberen Atemwege und des Verdauungstrakts.

Im Volksmund nennt man den Augentrost auch Augenblümli, Augendank, Augenklar, Augenkräutl, Augenweide, Augustinuskraut, Gewitterblume, Gibinix, Grummetblume, Herbstblümle, Hexenblume, Hirnkraut, Lichtkraut, Magentrost, Milchdieb, Milchschelen, Wegleuchte, Weihbrunnkessel, Wiesenwolf oder Zahnwehkraut.

Die vorwiegend in Mitteleuropa auf Wiesen, Heiden und Waldlichtungen wachsende, bis zu 30 cm große einjährige Pflanze hat gegenständig angeordnete, gezähnte eiförmige Blätter. Sie ist ein Halbschmarotzer und holt sich mit ihren Saugwurzeln aus benachbarten Gräsern und Kräutern Wasser und Nährstoffe wie z.B. Mineralien.

Heilwirkungen

Von der Gattung Euphrasia (griech.: Frohsinn), wie der Augentrost wissenschaftlich heißt, gibt es über 20 Arten, z.B. Euphrasia officinalis (Euphrasia rostkoviana, Gemeiner Augentrost, Großer Augentrost), Euphrasia minima (Kleiner Augentrost), Euphrasia stricta (Aufrechter Augentrost), Euphrasia hirtella (Zottiger Augentrost) oder Euphrasia tricuspidata (Dreizahn-Augentrost), die alle ähnliche Heileffekte (abschwellend, entzündungshemmend, adstringierend, nervenanregend, schmerzlindernd, sämtliche Schleimhäute kräftigend) besitzen. Zur Herstellung von Arzneien verwendet werden die während der Blütezeit im Spätsommer gesammelten, oberirdisch wachsenden Teile des Augentrosts.

Das Heilkraut kommt in der Volksmedizin zur Anwendung bei

  • Augenringen und Sehstörungen
  • Bindehaut-, Lidrand- und anderen Augenentzündungen
  • überanstrengten, gereizten, brennenden, tränenden oder lichtempfindlichen Augen
  • einem Gerstenkorn
  • Schnupfen, Husten, Heiserkeit und Halsweh sowie Nebenhöhlenentzündungen
  • Grippe
  • Heuschnupfen
  • Verdauungsbeschwerden (z.B. Völlegefühl, Magenprobleme)
  • Kopf- und Zahnschmerzen
  • Schlaflosigkeit
  • Krämpfen und Nervenleiden
  • entzündlichen Hautproblemen

Zudem soll der Augentrost auch das Gedächtnis verbessern.

Sagenumwoben

Der Überlieferung nach ist der Augentrost eine Gewitterpflanze, die Blitze anzieht. Daher darf man ihn weder in der Hosentasche noch im Haus aufbewahren, um nicht vom Blitz getroffen zu werden. In einem Säckchen an der Brust getragen hingegen soll er gegen Augenkrankheiten wirken und bei Sehschwäche helfen.

Im Mittelalter verräucherte man ihn, um hellsichtig zu werden. Zudem galt er als Orakel für die Wintersaat: Blüht er an der Spitze besonders reichlich, kommt ein früher Winter. Blüht er insgesamt reich, ein strenger.

Wirkstoffe und Anwendungsformen

Zu den wirksamen Inhaltsstoffen des Augentrosts zählen Iridoidglykoside (Aucubin, Catalpol, Ixorosid, Mussaenosid, Eurostosid, Euphrosid, hemmen die Prostaglandinbildung, wirken deshalb antientzündlich), Lignane, Gerbstoffe (sind adstringierend = zusammenziehend), Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure, p-Hydroxyphenylbrenztraubensäure, Vanillesäure, wirken antibakteriell) und Flavonoide (wirken ebenfalls antibakteriell), wobei der Anteil der Wirkstoffe umso höher ist, je größer die Pflanze ist.

Als Abkochung zubereitet dient der Augentrost zur Anfertigung von Augenkompressen und Spülungen gegen Augenleiden, als Tee aufgebrüht für seine anderen Einsatzzwecke sowie – in Form einer mehrwöchigen Teekur – zur Stärkung des Immunsystems.

Empfindliche, sich bei Witterungseinflüssen leicht rötende Haut profitiert von Augentrost als Badewasserzusatz – entweder als stark zubereiteter Tee oder als ins Badewasser gehängtes Kräutersäckchen.

Der Augentrost ist auch Bestandteil pharmakologischer Präparate (z.B. Augentropfen), was den Vorteil einer genormten Menge an Wirkstoffgehalt und hygienischen Unbedenklichkeit hat. Ebenso kommt er in der Homöopathie (z.B. bei Augenentzündungen, Infekten, Allergien) und Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zum Einsatz.

 

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Links zu unserem Lexikon:
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