Alterssichtigkeit: Ab wann sie sich bemerkbar macht

©panthermedia.net, Elmar Tomasi

Mit zunehmendem Alter verlieren viele Körperteile an jugendlicher Elastizität. So auch die Augenlinsen. Als Folge stellt sich die Altersweitsichtigkeit (Alterssichtigkeit, Presbyopie) ein. Dann braucht man eine Lese- bzw. Gleitsichtbrille.

Ursache der Presbyopie ist ein natürlicher Alterungsprozess, der im vierten bis fünften Lebensjahrzehnt einsetzt und zuerst lediglich das Sehen in der Nähe beeinträchtigt, was sich vor allem beim Lesen und der Bildschirmarbeit bemerkbar macht. Mit fortschreitendem Alter werden auch weiter entfernte Objekte nur noch verschwommen wahrgenommen. Man wird quasi weitsichtig.

Ursache: nachlassende Akkommodationsfähigkeit

Weitsichtigkeit (Hypermetropie, Hyperopie) in jungen Jahren tritt meist infolge eines zu kurz geratenen Augapfels auf und kann bei nicht allzu starker Ausprägung durch Akkommodation ausgeglichen werden. Dabei führt die Anspannung des Strahlenkörpers (Ziliarmuskel) – zwecks Anpassung an die Erfordernisse der Nahsicht – zu einer vermehrten Wölbung der Linse und damit zu einer Erhöhung ihrer Brechkraft.

Mit fortschreitendem Alter verhärtet die Linse. Ihre Verformbarkeit nimmt ab. Die Brechung der ins Auge einfallenden Lichtstrahlen kann nicht mehr so reguliert werden, dass sie punktgenau auf der Netzhaut auftreffen. Das beeinträchtigt zunächst das Sehen im Nahbereich, mit zunehmendem Alter und fortschreitender Linsenstarre auch das Sehen im Fernbereich.

Dieser altersbedingte Verlust der Linsenelastizität und damit der Akkommodationsfähigkeit ist ein sich über Jahre hinziehender Prozess, der weitgehend unabhängig von der ursprünglichen Sehfähigkeit (Normal-, Kurz- oder Weitsichtigkeit) eintritt. Allerdings entwickelt sie sich rascher, wenn vorher bereits eine Weitsichtigkeit vorhanden war und diese nicht oder nur unzureichend korrigiert (Folge: Überbeanspruchung der Akkommodation, schnellere Erschlaffung der Linse) wurde.

Wenn “die Arme zu kurz werden“

Erstes Zeichen der Alterssichtigkeit ist meist, dass zum Lesen die Lektüre weiter weg gehalten werden muss, um die Buchstaben deutlich zu erkennen. Denn der Nahpunkt (kürzester Abstand, in dem Objekte klar gesehen werden) rückt mit den Jahren immer weiter in die Ferne. Bis schließlich die Zeitung auch dann nicht mehr problemlos gelesen werden kann, wenn sie in der Distanz einer Armlänge gehalten wird. Später erscheinen auch Objekte in größeren Entfernungen verschwommen.

Beim Augenarzt

Er führt zuerst eine objektive Refraktionsbestimmung durch: Der Patient schaut dabei auf ein Bild in einem Refraktometer (Gerät mit vorschaltbaren Linsen), das er so einstellt, bis es ihm scharf vorkommt. Die Werte, bei denen ihm das Bild scharf erscheint, dienen als Ausgangswerte für die danach erfolgende subjektive Refraktionsbestimmung: Der Augenarzt testet zunächst den Fernvisus (Sehkraft) anhand von Sehprobentafeln, zuerst ohne (Visus sine correctione; sc), dann – falls nötig – zum Abgleich mit vorgesetzten Gläsern unterschiedlicher Dioptrien bis die optimale Sehschärfe (Sehkraft mit Brille; Visus cum correctione; cc) erreicht ist.

Danach prüft er mittels Texten in unterschiedlichen Schriftgrößen (z.B. Jäger Lesetafeln) den Nahvisus – ebenfalls zuerst ohne, dann – wenn erforderlich – mit vorgesetzten Gläsern unterschiedlicher Dioptrien bis wenn möglich auch noch die kleinste Schrift der Prüftexte entziffert werden kann.

Therapie: Lese- oder Gleitsichtbrille

Korrigiert wird die altersbedingt beeinträchtigte Sehkraft im Nahbereich mit einer Lesebrille. Das genügt zunächst für ursprünglich Normal- und mäßig Weitsichtige. Anders verhält es sich bei Kurzsichtigen. Sie sehen nicht nur in der Ferne schlecht, sondern mit einsetzender Altersweitsichtigkeit nun auch in der Nähe und brauchen deshalb eine Brille, die beides korrigiert. Also entweder eine Bifokalbrille (zweigeteilte Brille – mit einem oberen Gläserteil für die Fern- und einem unteren für die Nahsicht) oder eine Gleitsichtbrille (Nah- und Fernsichtbereich gehen fließend ineinander über). Letztere kommt ebenfalls bei fortgeschrittener Alterssichtigkeit mit beeinträchtigtem Fernvisus bei ursprünglich Normal- und Weitsichtigen zum Einsatz.

Alterssichtigkeit weglasern

Werden Sehbehelfe als sehr störend empfunden und erlaubt der Zustand der Hornhaut es, kann mittels sogenannter refraktiver (zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit) Chirurgie weitgehend Normalsichtigkeit hergestellt werden. Dabei wird mit Laser die Form, Dicke oder Oberfläche der Hornhaut so modelliert, dass deren Brechkraft zunimmt. Hauptrisiken dieser Verfahren sind eine mögliche Vernarbung der Hornhaut sowie eine Unter- (verbleibende Restweitsichtigkeit) oder Überkorrektur (Folge: Kurzsichtigkeit) der Sehkraft.

Die operative Korrektur einer Presbyopie strebt an, eine sogenannte Monovision zu schaffen, bei der die Hornhaut eines Auges mittels Laser so moduliert wird, dass es im Nahbereich scharf sieht. Das andere Auge bleibt unbehandelt und dient der ohnehin intakten Fernsicht. Nachteil des Verfahren: Das Stereosehen (räumliches Sehen) leidet, was vor allem bei mittleren Entfernungen (z.B. Treppensteigen) zum Tragen kommt. Daher eignet sich die Herstellung einer Monovision nicht für Menschen, die z.B. berufsbedingt auf gutes räumliches Sehen angewiesen sind.

Zur Anwendung kommen Methoden wie die LASIK (Laser In Situ Keratomileusis) oder die Conduktive Keratoplastik (CK), bei der an mehreren zuvor vom Augenarzt berechneten und markierten Punkten auf der Hornhaut mithilfe einer kleinen Sonde hochfrequente Wellen einwirken, woraufhin sich das Gewebe zusammenzieht.

Ein neueres, (noch) nicht überall angewendetes Verfahren ist das Einsetzen eines ultradünnen Hornhaut-Ring-Implantates (KAMRA-Inlay) nach dem Schneiden einer Hornhautlamelle mit Laser. Das Plastikscheibchen weist in der Mitte eine kleine Öffnung auf und funktioniert somit ähnlich wie die Lochblende einer Kamera. Dadurch gelangt nur fokussiertes Licht zur Netzhaut. Folge: Auch auf kurze Distanzen wird ohne Brille scharf gesehen.

Liegt neben der Altersweitsichtigkeit auch ein grauer Star (Katarakt) vor, behebt das Einsetzen einer sogenannten Multifokallinse sowohl die Katarakt als auch gleichzeitig bestehende Fehlsichtigkeiten (Kurz-, Weit-, Stab-, Alterssichtigkeit), indem sie einen Brennpunkt für die Nah- und einen für die Fernsicht erzeugt. Mögliche Folgeerscheinungen dieses Verfahrens sind störende optische Phänomene wie z.B. Halos (durch Brechung oder Spiegelung des Lichts bedingtes Sehen von farbigen Ringen um Gegenstände) oder ein unter bestimmten Lichtverhältnissen auftretendes vermindertes Kontrastsehen.

Augen-Training als Therapie-Alternative?

Da die Verfestigung der Linse die Presbyopie verursacht, gibt es immer wieder Versuche, die Linsenverhärtung durch ein Geschmeidigkeitstraining mit speziellen Augenübungen aufhalten bzw. ihr vorbeugen zu wollen. Allerdings lässt sich die schwindende Elastizität der Linse, die sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren erstreckt, damit kaum nennenswert verhindern.

 
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