Schnarchen: was tun gegen die nächtliche Ruhestörung?

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Sie sägen Nacht für Nacht ganze Wälder um – so empfinden es jedenfalls ihre entnervten Bettgenossen – und wissen selber oft nichts davon. Was Schnarcher aber kaum vor negativen Folgen dieses Beziehungskillers schützt, denn es gibt auch krankhafte Formen der Rhonchopathie, die ernste Gesundheitsschäden nach sich ziehen können. Ein gewichtiger Grund, dem Schnarchen bzw. seinen Ursachen den Kampf anzusagen.

Was sich in vielen heimischen Schlafzimmern abspielt, hat mit Nachtruhe nur wenig zu tun. Denn die Geräusche, die so mancher Schnarcher im Schlaf von sich gibt, gleichen einer intensiven Lärmbelästigung (bis zu 95 Dezibel, entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers/einer Kettensäge). Das ist schlimm für die Umgebung, die durch den Lärm kein Auge zu kriegt. Und kann auch für den Schnarcher selbst böse ausgehen, wenn bei seinem nächtlichen Treiben längere Atempausen auftreten, die zu gefährlichen Schlafstörungen führen können. Was dagegen hilft? Das hängt von der Ursache des Schnarchens (Ronchopathie) ab und ist daher von Fall zu Fall unterschiedlich. Jedenfalls sollte jede Rhonchopathie medizinisch abgeklärt werden, da Schnarchen Ausdruck einer schwerwiegenden, behandlungsbedürftigen Erkrankung sein kann.

Wie entsteht eine Rhonchopathie?

Schnarchen kann die Folge bestimmter Anomalien im Nasen-, Rachenbereich sein wie eine Septumdeviation (verkrümmte Nasenscheidewand) vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln, Bissfehlstellungen (fehlerhafte Kieferpositionen), allergische oder entzündliche Schleimhautschwellungen (z.B. Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündungen), ein Schleimhautüberschuss im Bereich des weichen Gaumens oder Rachens, ein langer, tiefstehender und schlaffer Gaumen, langes und breites Gaumenzäpfchen oder eine sehr große Zunge. Auch Übergewicht, ein übermäßiger Alkohol- oder Nikotinkonsum, üppige Mahlzeiten vor dem Schlafengehen, die regelmäßige Einnahme von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln sowie eine Rückenlage beim Schlafen begünstigen das Auftreten einer Rhonchopathie.

Während das “normale“ (primäre, einfache, habituelle, gewohnheitsmäßige, kompensierte) Schnarchen (ohne begleitende Schlaf- oder Atemstörungen), bei dem das Rachen- und Gaumengewebe nicht komplett kollabiert, sondern nur vibriert, keinen Krankheitswert besitzt, kommt es beim apnoischen Schnarchen (obstruktives Schlaf-Apnoesyndrom, OSAS: Schnarchen, gefolgt von kurzen Apnoen = Atemaussetzern) zu einer starken Erschlaffung der ringförmigen Muskulatur an den oberen Atemwegen, was die charakteristischen knatternden Geräusche erzeugt. Dadurch entsteht ein Unterdruck, dem der obere Teil der Luftröhre nicht genug Widerstand entgegensetzen kann, sodass er kollabiert und eine zeitweise komplette Obstruktion (Blockade) der Atemwege nach sich zieht, was zu einer Atempause führt. Das wird dann gefährlich, wenn Unregelmäßigkeiten beim Atmen oder wiederholt länger als zehn Sekunden andauernde Atemstillstände auftreten, weil es dabei zu einer Hypoxämie (Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut) kommt. Sie verursacht – um ein Ersticken zu verhindern – eine lebenswichtige, unbewusst ablaufende Weckreaktion (Arousal), damit aber auch eine Schlafstörung.

Rund zwei Millionen Österreicher (ca. 30 Prozent der Männer, etwa 10 Prozent der Frauen) schnarchen Schätzungen zufolge, wobei die Rhonchopathie bei Männern früher (ab dem 30. Lebensjahr) einsetzt, während Frauen durch ihre Hormone oft bis zur Menopause davor geschützt werden und Schnarchen generell mit fortschreitendem Alter zunimmt.

Folgen des Schnarchens

Schlafstörungen (gestörte Traum- und Tiefschlafphasen), sexuelle Dysfunktionen (Abnahme der Libido und Erektionsfähigkeit), ein erhöhtes Schlaganfall- und Infarktrisiko sowie Gefäßverengungen in der Lunge mit nachfolgender Erhöhung des pulmonalen Widerstands und der Gefahr der Entwicklung einer Rechtsherzvergrößerung und Rechtsherzschwäche – das sind mögliche gesundheitsschädliche Auswirkungen der regelmäßigen nächtlichen Unterversorgung mit Sauerstoff, des Anstiegs der Kohlendioxidkonzentration und der verlangsamten Pulsfrequenz infolge des Schnarchens. Daraus resultieren z.B. eine Tagesmüdigkeit, ständige Abgeschlagenheit, leichte Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisstörungen, Einschlafepisoden besonders bei monotonen Tätigkeiten (Mikroschlafattacken Sekundenschlaf), (morgendliche) Kopfschmerzen, Schwindelattacken sowie Probleme im Alltag (z.B. Partnerschaftsdifferenzen, Unfälle).

Schnarchen abklären

Wie bei allen anderen Erkrankungen auch steht am Anfang der Diagnostik die ärztliche Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), die neben aktuellen und durchgemachten Krankheiten auch Angaben zum zeitlichen Verlauf der Beschwerden, zum Body Mass Index, Alkohol- und Nikotinkonsum, zu Ein- und Durchschlafstörungen (ev. unter Einbeziehung eines schlafmedizinischen Fragebogens oder Schlaftagebuchs), bekannten Behinderungen der Nasenatmung und anderen Atembeschwerden sowie Fragen nach morgendlicher Mundtrockenheit und Tagesmüdigkeit beinhalten sollte.

Ein endoskopischer Check (Spiegelung) von Nase, Rachen und Kehlkopf beim Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, eine Erfassung des Zahnstatus und allfälliger Bissfehlstellungen beim Zahnarzt sowie bedarfsweise Druckmessungen in den Atemwegen (z.B. Rhinomanometrie) oder bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, MRT) klären, ob in diesen Bereichen die Ursache für die Rhonchopathie liegt. Untersuchungen im Schlaflabor bestätigen oder widerlegen den Verdacht auf eine obstruktive Schlafapnoe.

Behandelt wird eine Rhonchopathie allerdings nur dann, wenn seitens des Schnarchenden ein Therapiewunsch besteht oder eine obstruktive Schlafapnoe vorliegt.

Strategien gegen Schnarchen: Verhaltensregeln

Konnten ernsthafte Erkrankungen medizinisch als Ursache fürs Schnarchen ausgeschlossen werden, hilft folgendes, den Schnarchumfang deutlich zu reduzieren:

  • abendlichen Alkoholkonsum meiden.
  • auf körperliche Fitness achten, da trainierte Muskeln gesunden Schlaf unterstützen.
  • eine schnarchfreie Liegeposition wählen, etwa die Seitenlage, z.B. mittels Körperlagetraining, d.h.  Befestigung eines Gegenstandes (z.B. Tennisball) am Nachtgewand-Rückenteil, das bei Rückenlage drückt.
  • auf Völlerei und schwere Speisen, die zu unruhigem Schlaf und Schnarchen führen, abends verzichten, denn sonst kommt es zu einer Fehlverdauung mit Fermentationsprozessen, die eine Erschlaffung der Rachenmuskulatur bewirken.
  • ein ausreichendes Lüften des Schlafzimmers vor dem Zubettgehen und Kühlhaltung desselben.
  • das Körpergewicht normalisieren.
  • ein Rauchstopp.
  • der Verzicht auf Schlaf- und Beruhigungsmittel.
  • die Einhaltung eines regelmäßigen Schlaf- und Wachrhythmus.

Strategien gegen Schnarchen: Antischnarch-Apparate

Findet sich als Ursache einer Rhonchopathie eine Verengung der Nasenflügel bzw. des Naseneingangs, schafft oft ein in der Apotheke erhältliches, vor dem Zubettgehen auf die Nase geklebtes Nasenpflaster bzw. die Nutzung von Naseneingangsdilatatoren (kleine Nasenbügel zur Erweiterung des Naseneingangs), die die Nasenflügel leicht weiten, was eine ausreichende Luftzufuhr gewährleistet, Abhilfe.

Entsteht eine Rhonchopathie durch Schwingungen der erschlafften Rachen-Weichteile, kommen die oberen Atemwege mechanisch stabilisierende Antischnarch-Apparate wie etwa individuell angepasste Gaumenspangen oder Unterkieferprotrusionsschienen (Schnarchschienen) zum Einsatz, die eine gesundheitsgefährdende Verengung der Luftwege verhindern sollen. Die Schnarchmaskentherapie bzw. Beatmungstherapie mit Überdruck (Continous Positive Airway Pressure, CPAP) wird zur Therapie der obstruktiven Schlafapnoe eingesetzt.

Strategien gegen Schnarchen: chirurgische Eingriffe

Atmungsbehindernde und schnarchfördernde Veränderungen im Nasen-, Rachen- und Gaumenbereich können oft chirurgisch beseitigt oder verbessert werden, wobei mit einem Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten zu klären ist, welche Art von Eingriff im individuellen Fall am sinnvollsten ist. Das können sein die Verkleinerung vergrößerter Nasenmuscheln oder eines zu großen Gaumenzäpfchens, z.B. per radiofrequenzinduzierter Thermotherapie (RFITT, Hitzeverödung), die operative Begradigung einer schiefen Nasenscheidewand oder Entfernung der Mandeln. Ebenso aber Operationen am Weichgaumen mit unterschiedlichen – möglichst funktionserhaltenden und schonenden – Techniken, die aber samt und sonders keine vollständige oder immerwährende Schnarchfreiheit garantieren können, wie z.B.

  • die minimalinvasive Radiofrequenzchirurgie (Coblation): Versteifung des Weichgaumens durch Abtragung weichen Gewebes
  • die Uvulopalatopharyngoplastik (UPPP): Entfernung vom Gaumenzäpfchen und von Teilen des weichen Gaumens sowie ggf. der Mandeln
  • die Laser-assistierte Uvulopalatoplastik (LAUP): Kürzung oder Entfernung des Gaumenzäpfchens und des überschüssigen Gewebes am Gaumen mit Laser
  • die Setzung von Weichgaumenimplantaten, d.h. 18 Millimeter langen und zwei Millimeter dicken sogenannten Pillars (kleine Pföstchen), um die Schwingungsfähigkeit des Gaumensegels und damit Entstehung der Schnarchgeräusche zu verhindern.

 

Weiterführender Link:
Liste österreichischer Schlaflabore

 

Verwandte Ratgeber:
Schnarchen muss nicht sein! 
Schlafstörungen

 

Links zu unserem Lexikon:
Schlafapnoe
Einschlafstörungen
Durchschlafstörungen
Body Mass Index