Schleimig oder trocken: Husten ist nicht gleich Husten

© nikodash - stock.adobe.com

Fremdkörper, Keime, Giftstoffe, (entzündliche) Sekrete oder Schleim sind für die Atemwege ungebetene Gäste, die sie wieder loswerden wollen, damit es mit dem Luftholen klappt. Zu diesem Zweck hat die Natur den Hustenreflex als lebenswichtigen Abwehr- und Reinigungsprozess eingerichtet. Kein Wunder, dass diese Schutzmaßnahme Symptom diverser – meist harmloser, manchmal aber auch ernsthafter – Erkrankungen ist.

Husten (lat.: tussis) gehört zwar zu den häufigsten Symptomen, ist aber keine eigenständige Krankheit. Meist steckt ein grippaler Infekt dahinter, doch können auch schwerwiegende Erkrankungen, Medikamente oder psychische Leiden Husten verursachen. Deshalb sollte zumindest jeder länger anhaltende Husten medizinisch abgeklärt werden.

Wie Husten entsteht

In den Schleimhäuten der Atemwege sitzen Rezeptoren (“Empfänger“), die, werden sie mechanisch (z.B. durch Staub) oder chemisch (z.B. durch Gas) gereizt, via Nervenbahnen im Hustenzentrum des Gehirns einen Hustenreiz auslösen. Dieser bewirkt eine Kontraktion des Zwerchfells und sonstiger an der Atmung beteiligter Muskeln, sodass sich ein Überdruck aufbaut, der ruckartig die Stimmritze öffnet und Luft – bestenfalls inklusive Störenfriede – mit hoher Geschwindigkeit aus den Atemwegen ausgestoßen wird. Das wirkt einer Verlegung oder Schädigung der luftleitenden Organe entgegen. Husten kann man aber auch willkürlich auslösen und – bis zu einem gewissen Grad – willentlich unterdrücken.

Vielfältige Ursachen

Husten ist die Folge zahlreicher Erkrankungen und Einflüsse wie z.B.

  • von Infektionen (z.B. Erkältung, Mandelentzündung) der Atemwege.
  • einer Kehldeckel- (Epiglottitis) oder Kehlkopfentzündung (Laryngitis, Pseudokrupp, Krupp-Syndrom), Luftröhrenverengung (Trachealstenose) oder -entzündung (Tracheitis).
  • von Lungen-, Herz- oder Speiseröhrenleiden (z.B. Lungenentzündung, -embolie, -abszess, -verletzung wie z.B. ein Pneumothorax, Herzschwäche mit Stauungslunge, Zenker-Divertikel).
  • von allergischen Reaktionen oder Tumoren (z.B. Kehlkopf-, Lungenkrebs).
  • von einwirkenden Schadstoffen wie z.B. Staub, Rauch, zu trockene Luft oder Chemikalien.
  • von psychischen Störungen oder Stress (nervöser Husten).
  • v.a. bei Kleinkindern der Aspiration von kleinen Gegenständen (z.B. Spielzeugteil, Erdnuss).

Zudem kann Husten als Nebenwirkung bestimmter Medikamente (z.B. ACE-Hemmer) auftreten.

Schleim- oder Reizhusten

Die Medizin kennt zwei Hustenarten. Einerseits den unproduktiven oder trockenen Husten, auch bekannt als Reizhusten, der ohne Expectoration (Abhusten von Schleim) verläuft. Er zeigt sich in der Regel als eine Reaktion auf Schadstoffe (z.B. Zigarettenrauch, Staub, Fremdkörper) oder anfängliche Begleiterscheinung von Infekten, selten auch als Zeichen einer kleinen Lungenembolie. Bei längerem Anhalten ist er oft Ausdruck eines Asthma bronchiale oder einer medikamentösen Nebenwirkung.

Andererseits kennt man den produktiven Husten oder Schleimhusten, der mit dem Auswurf (Sputum) von Schleim einhergeht. Häufigste Ursachen dafür sind Erkältungen, Bronchitiden, Lungenentzündungen oder eine COPD. Ist der produzierte Schleim klar bis weißlich, spricht das für eine durch Viren bedingte Entzündung. Bei gelbgrüner Färbung sind Bakterien im Spiel. Gelegentlich befinden sich Blutspuren im Schleim, die häufig auf harmlose Ursachen wie z.B. kleine Verletzungen im Nasen-Rachenraum, Zahnfleisch- oder Nasenbluten zurückzuführen sind. Über längere Zeit auftretende Blutbeimengungen im Speichel (Hämoptyse) oder gar schaumiges Bluthusten (Hämoptoe) jedoch können ein Zeichen sein für

  • eine schwere (hämorrhagische) Bronchitis oder Pneumonie (Lungenentzündung).
  • Bronchiektasien (krankhaft erweiterte, sackförmige Bronchien, z.B. bei Mukoviszidose).
  • eine Tuberkulose oder Lungenembolie.
  • Lungenkrebs: besonders bei über 45-jährigen rauchenden Männern.
  • Blutungen aus dem Nasen-Rachen-Raum, der Speiseröhre oder dem Magen.
  • Verletzungen im Brustraum oder Blutgerinnungsstörungen.
  • eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche).
  • seltene Leiden wie das Goodpasture-Syndrom (Autoimmunkrankheit mit Zerstörung von Lungenbläschen) oder der erblich bedingte Morbus Osler mit Lungengefäßanomalien.

Akut oder chronisch

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal bildet die Hustendauer. Demnach handelt es sich um einen akuten Husten, wenn dieser – wie etwa bei Erkältungen oder anderen Infektionen (z.B. Keuchhusten, Diphtherie) – nicht länger als drei bis acht Wochen anhält. Andernfalls spricht man von chronischem Husten, der seltener als der akute auftritt und auf jeden Fall ärztlich abgeklärt gehört, weil er vielerlei Ursachen haben kann wie z.B.

  • ein Asthma bronchiale, eine chronische Bronchitis, COPD, Tuberkulose oder Bronchiektasien.
  • einen Pleuraerguss (Ansammlung von Flüssigkeit zwischen den Blättern des Brustfells).
  • eine Lungenfibrose (verstärkte Bindegewebsbildung in der Lunge) oder Pneumokoniose (Lungenveränderungen durch Einatmen anorganischer Stäube wie z.B. Quarz oder Asbest).
  • eine exogen allergische Alveolitis (Lungenveränderungen durch Einatmen von organischem Material wie z.B. Schimmelpilzen).
  • Nasennebenhöhlenentzündungen: Hustenreiz durch über den Rachen abfließenden Schleim.
  • einen gastroösophagealen Reflux (Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre).
  • Arzneien wie ACE-Hemmer, Beta-Blocker oder Nitrofurantoin.
  • eine Herzschwäche.

Wochenlang kann sich auch ein sogenannter “postinfektiöser“ Husten hinziehen, selbst wenn der Verursacher längst abgeklungen ist.

Wann eine Abklärung erforderlich ist

Husten ist oft ein vorübergehendes, harmloses Symptom, mit dem fast jeder mindestens einmal in seinem Leben konfrontiert wird. Ärztlicher Rat sollte jedoch eingeholt werden, wenn

  • Fieber oder andere Beschwerden den Husten begleiten.
  • sich der Husten in tiefere Atemwege verlagert oder mit Schmerzen einhergeht.
  • eitriger oder blutiger Auswurf auftritt oder das Atmen im Liegen Schwierigkeiten bereitet.
  • der Husten – auch bei sonstigem Wohlbefinden – nicht nach spätestens 14 Tagen abklingt.
  • der Husten sehr stark ist, bellend klingt (typisch für Diphtherie oder Keuchhusten) oder sich Blut im Auswurf befindet.

Neben der Erhebung der Krankengeschichte erfolgt beim Arzt die Auskultation (Abhören) und Perkussion (Abklopfen) der Lunge und des Herzens. Dabei können Hustengeräusch und Hustentakt Hinweise auf die Ursache liefern (z.B. bellender Husten bei Krupp-Syndrom, bitonaler = metallisch klingender, pfeifender Husten bei Kompression der großen Bronchien durch vergrößerte Lymphknoten, z.B. bei Hilustuberkulose, aphonischer = klangloser, heiserer Husten bei Stimmbandschwellung, stakkatoartiger Takt = rasch aufeinander folgende Hustenstöße bei Keuchhusten). Je nach Verdachtsdiagnose können weitere Untersuchungen wie Bluttests, Röntgenaufnahmen, Lungenfunktionsprüfungen, eine Lungen-, Kehlkopf- oder Magenspiegelung u.a.m. folgen.

Therapie: Hustenlöser versus Hustenstiller

In erster Linie geht es darum, die Ursache des Hustens zu beseitigen (z.B. Rauchverzicht, Absetzen Husten auslösender Medikamenten) bzw. adäquat zu therapieren (z.B. Antibiotika bei Tuberkulose). Das sonstige Vorgehen hängt von der Art des Hustens ab.

Beim Reizhusten werden Arzneimittel (Antitussiva, z.B. Codein) eingesetzt, die den Hustenreflex hemmen bis unterdrücken. Beim festsitzenden oder produktiven Husten ist es hingegen wichtig, verdicktes Sekret zu verflüssigen, um seinen Abtransport, d.h. sein Abhusten zu erleichtern. Damit Schleimlöser (Mukolytika, Sekretolytika, Expektorantien; z.B. Acetylcystein, Ambroxol, Bromhexin) ihre Wirkung entfalten können, ist aber eine reichliche Flüssigkeitszufuhr (mindestens zwei Liter pro Tag, z.B. Kamillen-, Fenchel-, Anis- oder Salbei-Tee, heißer Holunderbeersaft) erforderlich. Spätabends sollten schleimlösende Hustentropfen, Hustensäfte oder Inhalate allerdings keine Verwendung finden, weil sonst das Abhusten nicht mehr gewährleistet oder der Schlaf gestört wird.

Das richtige Raumklima – warm, aber nicht überheizt, mit genug Luftfeuchtigkeit (z.B. durch Aufhängen feuchter Tücher, Aufstellen von Luftbefeuchtern, Stoßlüften), ohne Rauch- oder Staubbelastung – unterstützt den Genesungsprozess. Ebenso diverse Hausmittel wie z.B.

  • Inhalationen mit Wasserdampf (Vorsicht Verbrühungsgefahr!), Meersalz oder Pflanzenessenzen (z.B. Kamillen-, Lindenblüten, ätherische Öle).
  • salzhaltiger Nasenspray zur Anfeuchtung der Schleimhäute.
  • Senf-, Topfen- oder Brustwickel mit ätherischem Öl (Lavendel, Eukalyptus, Latschenkiefer).
  • schleimhautschützende Tees aus Reizhusten lindernden Heilkräutern wie Wollblumen, Spitzwegerich, Eibischwurzeln oder -blättern, Malvenblüten oder -blättern bzw. schleimlösenden und auswurffördernden Heilpflanzen wie Efeublättern, Süssholz- oder Schlüsselblumenwurzeln, Anis, Fenchel oder Thymian. Auch Huflattich, Lindenblüten, Isländisch Moos oder Stechpalmenblätter sind häufige Bestandteile von Bronchialtees.
  • ein Rettich-Hustensaft (ausgehöhlten Rettich mit Zucker füllen, sodass sich Saft bildet).
  • Honig, Zwiebelsud oder salzige Suppen gegen Reizhusten.
  • das Kauen von noch Honig enthaltenden Bienenwaben.
  • Vollbäder mit Eukalyptus, Thymian oder anderen ätherischen Ölen.
  • ansteigende Fußbäder.

 

Verwandte Ratgeber:
Husten (Tussis)
Hustensäfte für Kinder
Hausmittel: Was wirkt gegen Husten, Schnupfen & Co.?
Wickel: bewährte Hausmittel bei Halsweh, Fieber & Co
Inhalationstherapie: Gesundheit einatmen
Kneipp-Medizin: mehr als nur Wassergüsse
Isländisch Moos: Schutzmantel für Schleimhäute lindert Husten und Halsweh

Fenchel: natürliches Rezept gegen Blähbauch und Co. 
Thymian: heilkräftiger Tausendsassa mit mediterranem Flair
Eibisch: Schutzherr der Schleimhäute
Ysop: heiliges Kraut als natürlicher Hustenblocker
Sonnentau: Fleischfressende Moorpflanze als Hustenmittel 
COPD („chronic obstructive pulmonary disease“, chronische Lungenerkrankung, Raucherhusten, chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
Pseudokrupp (Krupphusten, Laryngotracheitis, Laryngitis subglottica)
Keuchhusten (Pertussis)
Reflux, GERD, Sodbrennen
Herzschwäche (Herzinsuffizienz)