Latschenkiefer: Labsal für die Atemwege

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Kernig-robust trotzt die Latschenkiefer, die Gebirgslandschaften Europas ziert, jeder Wetterlage, sogar einer dicken Schneedecke. Das tun unsere Atemwege ihr leider nicht gleich. Sammelt sich dort nun Schleim auf der entzündeten Schleimhaut, wirkt Latschenkieferöl Wunder. Und löst gleich auch noch Muskelverspannungen.

Hoch oben in den Bergen gedeiht ein Gewächs, das für seine Belastbarkeit bekannt ist und ein wertvolles Öl liefert, das vor allem den Atemwegen und den Muskeln zugutekommt. Es heißt Latschenkiefer (Latsche, Legföhre, wissenschaftlich: Pinus silvestris) und darf nicht von jedermann der Natur entnommen werden. Für Heilzwecke kommt es dennoch zum Einsatz.

Widerstandsfähiges Gebirgsgewächs

Die ebenso wie die Weißtanne, Kiefer, Lärche und Fichte zu den Kieferngewächsen (Pinaceae) zählende, strauchförmig wachsende Latschenkiefer ist eine Unterart der Bergkiefer Pinus mugo. Sie wächst in Höhenlagen von 1000 bis 2700 Metern in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas (Pyrenäen, Alpen, Erzgebirge, Karpaten, Apennin) und bildet dort häufig die obere Baumgrenze.

Der zwei bis fünf Meter hohe Nadelbaum muss langen Kälteperioden, häufigen Niederschlägen, starkem Wind sowie hohen Schneedecken standhalten. Er besitzt eine schuppige, braun-schwarze Rinde, bogig gekrümmte, sich über den Boden ausbreitende, den langen, aber am Boden liegenden Stamm verdeckende Zweige und Äste (Latschenfilz alias Latschenfeld: undurchdringliches Gewirr) sowie in Zweiergruppen stehende, lange, immergrüne Nadeln. Außerdem von Mai bis Juli blühende, gelbliche, männliche Blüten und rötliche Zapfen (tragen in der Reifezeit spatelförmige Schuppen und fallen ab) ausbildende, weiblichen Blüten.

Die Latschenkiefer steht unter Naturschutz. Nur die Betreiber von Latschenbrennereien dürfen unter gestrengen Auflagen ihre Zweige ernten, um aus den Nadeln per Wasserdampfdestillation das eukalyptusartig duftende und heilsame ätherische Latschenkieferöl zu gewinnen, das dann zu pharmazeutischen und kosmetischen Produkten verarbeitet wird. Hierzu werden 200 bis 300 Kilogramm zerkleinerte Nadeln und Ästchen in einem speziellen Dampfkessel bis zu acht Stunden lang erhitzt, um einen Liter farbloses bis gelbes, klares, stark duftendes Öl zu erzeugen, das sich im anschließenden Abkühlungsprozess vom Wasser trennt.

Da das Sammeln von wildwachsenden Latschenkieferzweigen verboten ist, werden in Südtirol, Tirol und im Allgäu Latschenkiefern gewerbsmäßig angebaut.

Latschenkieferöl: heilsam ….

In den Nadeln der Latschenkiefer befindet sich leicht desinfizierendes (keimreduzierend, antibakteriell) ätherisches Öl. Dieses Latschenkieferöl besteht vorwiegend aus Monoterpen-Kohlenwasserstoffen wie Caren, Pinen, Phellandren, Limonen, Bornylacetat, Borneol, Camphen, Fenchol und Sabinen.

Inhaliert (ev. in Kombination mit Kiefern-, Eukalyptus- oder Pfefferminz-Öl) oder als Lutschbonbon löst es festsitzenden Schleim aus den Bronchien, macht ihn dünnflüssiger und fördert seinen Abtransport aus den Atemwegen.

Als Tropfen, Salbe, Balsam, Emulsion oder Massageöl in die Haut eingerieben oder als Kompresse aufgelegt fördert es die Durchblutung und lockert verspannte Muskeln, lindert so z.B. einen Muskelkater, Nerven-, Rückenschmerzen, rheumatische und Gelenkbeschwerden. In diesem Fall wirkt das Öl als sogenanntes Counterirritans: es löst einen leichten Schmerzreiz bzw. ein Kribbeln auf der Haut aus und lenkt so von den eigentlichen Schmerzen ab.

Zudem ist Latschenkiefernöl traditioneller Bestandteil von Franzbranntwein (spiritus vini gallici), einer alkoholischen Lösung, die sich vorwiegend aus reinem Alkohol, Kampfer, Menthol und verschiedenen ätherischen Ölen wie Fichtennadel- oder Latschenkiefernöl zusammensetzt. Er wird z.B. gegen rheumatische Beschwerden eingesetzt.

Neben Erkältungskrankheiten wie Husten, Bronchitis oder Nasennebenhöhlenentzündungen und Beschwerden am Bewegungsapparat zählen Durchblutungsstörungen, Nervosität und Schlaflosigkeit zu den Anwendungsgebieten der Heilpflanze. Ihr werden auch positive Wirkungen bei mangelndem Selbstvertrauen, Verwirrung und seelischer Erschöpfung zugeschrieben.

6 Tropfen Latschenkiefer in der Duftlampe, gemischt mit je 2 Tropfen Zitrone und Eukalyptus sorgen für ein angenehmes, beruhigendes und stimmungsaufhellendes Raumklima und lindern Erkältungen.

Auch in Parfüms und zum Räuchern findet die Latschenkiefer Verwendung. Ebenso in der Sauna, wo ein Aufguss mit Latschenkiefer (3 bis 5 Tropfen auf 1 Kelle Wasser) bei Husten, Heiserkeit, Schnupfen und erkältungsbedingten Muskelschmerzen Erleichterung verschafft.

In der Fußpflege soll Latschenkiefer gegen Hornhaut oder Hornhautschwielen helfen.

…. aber irritierend

Allerdings sollte Latschenkieferöl nur verdünnt Verwendung finden, denn in konzentrierter Form reizt das ätherische Öl stark Haut und Schleimhäute. Vor allem bei Babys und Kleinkindern kann es aber auch verdünnt irritierend wirken. Deshalb sollte es nicht mit dem Gesicht von Kindern in Kontakt kommen, weil es sonst Atemnot bis hin zu einem Atemstillstand hervorrufen kann.

Menschen mit empfindlicher Haut sollten ebenso Vorsicht walten lassen. Sonst stellen sich Hautreizungen und -entzündungen (Ekzeme) ein, wenn sie das Öl einreiben. Das ist vor allem bei überaltertem Latschenkieferöl gern der Fall, weshalb man nur frisches, in einer dicht verschlossenen, lichtgeschützten Flasche aufbewahrtes Öl verwenden sollte.

Selbst als Badezusatz (z.B. zur Linderung von Muskel-, Gelenk- oder Nervenschmerzen) kann Latschenkieferöl bei zu hoher Dosierung gefährlich werden, etwa wenn Herz-Kreislaufleiden, Krampfadern, eine Lungenentzündung, Asthma, Keuchhusten (Gefahr: Verstärkung der Verkrampfung der Bronchien), fieberhafte Infekte, Hautkrankheiten oder Verbrennungen vorliegen. Daher empfiehlt es sich, seine Anwendung vorher mit einem Arzt abzuklären bzw. im Zweifelsfall vorsichtshalber darauf zu verzichten, um die Beschwerden nicht noch zu verschlimmern.

Im Augenbereich darf Latschenkieferöl gar nicht angewendet werden.

 

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