Inhalationstherapie: Gesundheit einatmen

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Inhalationen kennt fast jeder, der je mit Erkältungen oder anderen Atemwegserkrankungen zu tun hatte oder noch hat. Denn vor allem für Asthmatiker bildet die Inhalationstherapie einen unverzichtbaren Bestandteil im Behandlungsprogramm – zur Anfallsbekämpfung und Anfallsvorbeugung. Die Methode beruht auf einem einfachen Wirkprinzip, das da lautet: schleimlösende, abschwellende und entzündungshemmende Arzneimittel gekonnt einatmen.

Da die Atemwege frei zugänglich sind, lassen sich bei vielen akuten und chronischen Erkrankungen derselben (z.B. Bronchitis, Asthma) via Nase und Rachen Medikamente anwenden, die bis in die tieferen Atmungsorgane wirken. Diese Applikationsform von Heilmitteln nennt man Inhalation. Hierzu stehen verschiedene Geräte und Apparate zur Verfügung, deren richtige Handhabung wichtig ist für den Erfolg der Behandlung. Der größte Vorteil dieser Therapieform: Sie wirkt direkt an ihrem Bestimmungsort.

Was Inhalationen erreichen

Die Einatmung heilsamer Arzneien bewirkt Effekte wie

  • eine Befeuchtung der Atemwege
  • eine Lockerung und Verflüssigung des Bronchialsekrets (Sekretolyse) und somit ein leichteres Abhusten desselben
  • eine Lösung von Verkrampfungen (Spasmolyse) der Bronchialmuskulatur
  • ein Abschwellen der Bronchialschleimhaut und damit eine Erweiterung der Bronchien
  • eine Entzündungshemmung
  • eine Bekämpfung der Erreger von Atemwegsinfektionen

Welche und wie viele der genannten Wirkungen eine Inhalation zeigt, hängt einerseits ab von der Art der verwendeten Substanzen bzw. deren Partikelgröße, die bestimmt, in welche Abschnitte des Atemtraktes sie vorzudringen imstande sind (< 0,5 µm:  bis in die Lungenbläschen). Andererseits von der richtigen Inhalationstechnik, die wiederum durch das jeweilige Applikationssystem vorgegeben ist. Allerdings lagert sich immer ein Teil der inhalierten Stoffe im Mund-Rachen-Raum ab bzw. gelangt mittels Verschlucken in den Magen-Darm-Trakt, was sich aber mit der richtigen Technik im Rahmen halten sollte.

Ein besonderes Plus weisen Inhalationen mit Salz auf: Sie wirken nicht nur Erkältungserscheinungen entgegen, sondern bilden – in der kalten Jahreszeit regelmäßig angewendet – auch eine geeignete und risikoarme Vorbeugungsmaßnahme gegen Atemwegsinfekte, weil sie die Schleimhäute vor dem Austrocknen und der Besiedelung mit Krankheitserregern schützen.

Inhalieren: die verschiedenen Arten

Bei einer Inhalation werden bestimmte Substanzen entweder direkt eingeatmet oder mittels eines speziellen Inhalationsgerätes zerstäubt (zerstäubte Substanzen = Aerosole) und eingeatmet, was eine optimale Wirkstoffzufuhr garantiert. Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen drei Formen der Inhalationstherapie:

  • die offene Dampfinhalation, d.h. Einatmung von Wasserdampf und Zusätzen (z.B. Salz) bei einfachen Infekten der oberen Atemwege zwecks Befeuchtung der Schleimhäute der Nase und Nasennebenhöhlen. Als Zusätze dienen oft ätherische Öle beispielsweise des desinfizierenden und schleimlösenden Eukalyptus, des krampflösenden Fenchels, der entzündungshemmenden und beruhigenden Kamille, der mukolytischen (schleimlösenden) Pfefferminze u.a.m. Um Augenreizungen bei dieser Prozedur zu vermeiden, empfiehlt es sich, statt mit einem Handtuch über dem Kopf über eine Schüssel gebeugt zu inhalieren einen in der Apotheke erhältlichen speziellen Dampfinhalator mit Aufsatz, der den Dampf gezielt in Richtung Mund und Nase leitet, zu verwenden.
  • die Inhalation per elektrischem Vernebler, meist mit physiologischer Kochsalzlösung, bei Infekten der unteren Atemwege zwecks Loslösung festsitzenden Schleims in den Bronchien und dessen leichtere Abhustung (z.B. bei Mukoviszidose). Er zerstäubt die Flüssigkeit zu feinsten Tröpfchen, die über ein Mundstück beim Inhalieren bis in die Bronchien gelangen. Viele Vernebler besitzen zudem ein Nasenstück für die Befeuchtung der oberen Atemwege.
  • die Inhalationstherapie mit bronchienerweiternden (Bronchodilatatoren, z.B. Betamimetika) oder entzündungshemmenden (z.B. Kortison) Medikamenten bei chronischen Atemwegserkrankungen (z.B. Asthma, COPD) mithilfe verschiedener Applikationssysteme. Regelmäßig angewendet verbessert sie die Atemfunktion, verhütet plötzliche Atemnotanfälle und steigert somit das Wohlbefinden.

Zu den einfacheren Applikationssystemen zählen etwa geschlossene Applikatoren mit Mundstück, Inhalationsmasken und Spacer (Inhalationshilfen). Speziellere Systeme umfassen Dosieraerosole (Sprays; enthalten ein Gemisch aus Gas und Wirkstoffteilchen, atemzuggesteuert oder Aerosolkammern), elektrische Inhalationsgeräte mit Kompressor (Aerosolapparate), Düsen- oder Ultraschallvernebler, Pulver- (Turbohaler/Diskhaler; Pulvergemisch aus Wirkstoff und Laktose), Überdruck- und Wasserdampfinhalationssysteme.

Inhalieren – aber wie?

Jedes Applikationssystem erfordert seine eigene optimale Inhalationstechnik. Dosieraerosole ohne Spacer z.B. einen langsamen tiefen Atemzug zu nehmen, dann den Atem anzuhalten. Da die Wirksamkeit des darin enthaltenen Medikaments sehr von der guten Koordination zwischen Sprühstoß und Einatmung abhängt, kommen meistens Spacer zum Einsatz, die diese Koordination vereinfachen, außerdem die Reichweite des Wirkstoffs erhöhen und seine potenziellen Nebenwirkungen reduzieren.

Pulverinhalatoren hingegen verlangen eine rasche, tiefe und kräftige Inspiration, damit Menge und Reichweite des Medikaments in der Lunge stimmen, und dann den Atem anzuhalten. Es soll nicht in das Gerät ausgeatmet werden, damit es nicht zu Verklumpungen des Trockenpulvers kommt.

Düsen-, Ultraschall- oder Membranvernebler wiederum benötigen lediglich eine langsame tiefe Einatmung und normale Ausatmung. Das macht sie auch für Personen geeignet, die mit anderen Inhaliergeräten nur schwer oder gar nicht zurechtkommen. Und: Anders als bei der offenen Dampfinhalation besteht bei dieser Inhalationstechnik keine Verbrühungsgefahr, da die Salzlösung in kaltem Zustand in den Vernebler eingebracht wird. Diesen Benefits stehen Nachteile gegenüber wie die eher lange Inhalationsdauer von mehreren Minuten, die eher geringe Reichweite des inhalierten Wirkstoffs, die Unhandlichkeit der Apparate und ihre Abhängigkeit von einer externen Stromquelle.

Vorteile der Inhalationstherapie

Der größte Vorteil der Inhalationstherapie besteht darin, dass sie direkt am Zielort wirkt, denn die eingeatmeten Substanzen müssen – anders als etwa viele oral eingenommene Medikamente – nicht erst den Weg über Blut und Leber, wo sie teilweise deaktiviert werden, nehmen. Somit verfügen inhalierte Arzneien über eine bessere Bioverfügbarkeit, d.h. sie kommen früher und in höherer Dosis und damit stärkerer Wirksamkeit am Zielort an. Diese bessere Bioverfügbarkeit bedingt ein weiteres Plus der Inhalationstherapie: Die Medikamente können in niedrigerer Dosierung verabreicht werden, was gleichzeitig die Gefahr der Entwicklung von unerwünschten Nebenwirkungen mindert.

Gefahren der Inhalationstherapie

Inhalierte Substanzen können ebenso wie andere Arzneien Unverträglichkeits- oder allergische Reaktionen (z.B. Schleimhautirritationen, Husten, Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur) bei dafür Prädisponierten hervorrufen. Deshalb sollten Säuglinge, Kleinkinder und Asthmatiker z.B. Abstand nehmen von Inhalationen mit ätherischen Ölen, die empfindliche Atemwege reizen können.
Werden Pulverinhalatoren über einen längeren Zeitraum angewendet, kann das die Stimmbänder beleidigen.

Sind Inhalationsgeräte infolge fehlender oder mangelhafter Sauberhaltung, ev. auch Desinfektion oder Sterilisation verunreinigt, ermöglicht das eine Verschleppung von Krankheitserregern in die Atemwege, schlimmstenfalls mit nachfolgender Lungenentzündung. Dann dienen sie als Krankmacher (“Keimschleuder“) statt als Heiler.

 

Links zu unserem Lexikon:
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Chronische Bronchitis
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