Efeu: heilsam bis giftig

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Als Kletterkünstler rankt sich der Efeu zwar an vielen Hauswänden hoch, fristet aber beileibe kein Dasein als Mauerblümchen, weil er sich forsch verbreitet. Was das nahezu überall wachsende Symbol für Unsterblichkeit medizinisch kann? Na zum Beispiel Husten kurieren. Auch wenn er in zu großer Menge giftig ist.

Efeu wuchert üppig an diversen Gemäuern und vielen Zäunen und umgibt auch so manchen Baum. Das immergrüne Gewächs gilt als Sinnbild für ewiges Leben (daher: Schmücken von Grabstätten und Kirchen mit Efeu) bzw. die Unsterblichkeit der Seele, für Liebe und Treue (Efeuzweige als Symbol für den Treuebund als Gabe an Brautpaare) sowie Schutz vor Krankheiten. In der Kunst nennt man den Efeu Gewächs der Musen (daher: Bekränzung von Dichtern mit Efeu). In Gärten ist er eine beliebte Zierpflanze.

Doch auch in der Naturheilkunde ist der früher Gottheiten wie Osiris, Bacchus oder Dionysos geweihte Efeu kein Stiefkind. Da schätzt man ihn vor allem als Mittel gegen Erkältungen und Hautprobleme. Einziger Haken: in zu hoher Dosierung ist er giftig.

Robuste Kletterpflanze

Adamsblätter, Baumtod, Eppich, Eppig, Ewigheu, Grünschlinge, Hühneraugenkraut, Immergrün, Klettergrün, Mauerefeu, Mauereppich, Mauerewig, Mauergrün, Mauerklette, Mauerpfau, Mauerranke, Poetenkraut, Rankenefeu, Schattengrün, Todenranke oder Wintergrün nennt der Volksmund den zur Pflanzenfamilie der Araliengewächse (Araliaceae) gehörenden Efeu, der – wild oder angebaut – in ganz Europa wächst. Bevorzugt an schattigen Plätzen und auf feuchten kalkhaltigen Böden. Hier breitet sich das unverwüstliche Gewächs großflächig aus – ohne Rücksicht auf andere Pflanzen, selbst wenn er ihnen das Leben kostet.

Mit seinen kleinen Luftwurzeln, die sich überall festkrallen, rankt sich die Hedera helix (griech.: hédra = Sitz, helissein = sich winden, drehen), wie der Efeu botanisch heißt, an Mauerwerk, Zäunen oder Bäumen hoch und ist dann oft nur schwer zu entfernen. Das tut den von ihm besiedelten Objekten nicht immer gut. Denn den Bäumen z.B. raubt er Luft und Licht. Einzig als Bodendecker, z.B. auf Gräbern, richtet er kaum Schaden an. Im Gegenteil: da hält der Efeu nützlicherweise Schnecken fern.

Der bis zu 20 Meter hoch wachsende Efeu kann bis zu 500 Jahre alt werden, entwickelt mit fortschreitenden Jahren dicke, stabile Stämme und verändert, wenn er zur Blühreife gelangt, die Form seiner ledrigen, auf der Oberseite dunkelgrünen Blätter, die herzförmig oder lanzettlich bis zugespitzt eiförmig, ganzrandig und ungelappt imponieren sowie – anders als in seiner Jugend (behaart, zweireihiger Stand) – sich ringartig um den Trieb bilden.

Giftiges Hustenmittel

Hustenlindernd und schleimlösend (Saponine), zudem fiebersenkend, schweißtreibend, ödemhemmend und entwässernd (Saponine), krampflösend und die Menstruation regulierend soll der Efeu wirken. Schon in der Antike fanden daher die Blätter, Früchte und Wurzeln des Efeus Verwendung gegen Ohren-, Kopf- und Zahnschmerzen, Gicht, Milz- und Lungenleiden, Fieber, Brandwunden und Menstruationsbeschwerden. Im Mittelalter galt er nebst anderem als Wunderwaffe gegen Hühneraugen sowie Mittel gegen allerlei Hautkrankheiten.

Die Volksmedizin nennt

  • Atemwegserkrankungen (z.B. Bronchitis, Keuchhusten)
  • Rheuma, Gicht und Rachitis
  • Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen
  • Wunden, Geschwüre und Schwielen
  • Schwangerschaftsstreifen und Cellulite
  • Hautinfektionen und Parasitenbefall (Läuse, Flöhe)
  • Sonnenbrand und Verbrennungen
  • Gefäßverletzungen und Gewebezerfall
  • Leber-, Gallen- oder Milzleiden

als Einsatzgebiete der Heilpflanze. Auch das Wachstum potentieller Krankheitserreger (Pilze, Bakterien, Viren) soll der Efeu hemmen.

Seine Heilkraft steckt – dank Wirkstoffen wie ätherischen Ölen, Saponinen, Kaffeesäurederivaten und Flavonoiden – in seinen Blättern, die jedoch vor ihrer Einnahme oder Berührung mit der Haut abgekocht (z.B. als Tee zubereitet) werden müssen. Denn roh angewendet können die bitteren Efeublätter – ebenso wie die bläulichen oder grünlich-schwarzen, selten gelben oder weißen Efeubeeren und im Herbst in halbkugeligen Dolden blühenden, unscheinbaren, grün-gelblichen Efeublüten – gesundheitsschädlich wirken, weil der Efeu (v.a. die Beeren) leicht giftig ist. Sonst drohen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Zudem kann der Saft frischer Efeublätter bei Hautkontakt schwere Ausschläge verursachen, weshalb das Sammeln der Blätter (Mai bis August) mit Handschuhen geschehen sollte, um eine solche allergische Kontaktdermatitis zu vermeiden.

Frei durchatmen dank Efeu

In der modernen Medizin wird der Efeu aufgrund seiner – wissenschaftlich gut belegten –schleimlösenden, Auswurf fördernden und hustenreizlindernden Wirkung, die auf seinen Gehalt an Saponinen (Schaumbildner; lat. sapo = Seife) zurückzuführen ist, besonders gegen Erkältungskrankheiten eingesetzt. Als bewährtes Hustenmittel (meist in Kombination mit anderen Heilpflanzen wie Eibisch, Isländisch Moos, Malvenblüten, Spitzwegerich etc.) verflüssigt er durch die Reizung des Nervus vagus mit nachfolgender vermehrter Wassersekretion zähen Schleim, der somit besser abtransportiert werden kann. Zudem regt das im Efeu enthaltene Alpha-Hederin die Schleimbildung an, entspannt außerdem die Bronchialmuskulatur und entkrampft damit die Atemwege.

Oberflächliche Verletzungen, Geschwüre und Entzündungen sind weitere Einsatzgebiete für den Efeu. Hierzu werden aus den Efeublättern Tinkturen gewonnen, die in Form von Umschlägen und Kompressen bei Hautleiden zur Anwendung kommen. Holzextrakte des Efeus in Cremes, Lotionen und Shampoos stehen im Ruf, die Haut weich zu machen und Juckreiz zu lindern.

Sicher ist sicher

Da Efeu zwar ein patentes Heilkraut ist, das aber bei falscher Dosierung zur Giftpflanze wird, ist von der Zubereitung eines Tees aus selbst gesammelten Efeublättern abzuraten. Stattdessen sollte man auf standardisierte Fertigarzneimittel (Tees, Hustensäfte, Tropfen, Tabletten, Brausetabletten) zurückgreifen, wie sie in Apotheken angeboten werden. In der Schwangerschaft und Stillzeit verzichtet man sicherheitshalber besser ganz auf Efeupräparate. Bei einer Allergie gegen Efeu darf er gar nicht verwendet werden. Auch bei Kindern ist Vorsicht geboten (Dosierung beachten!).

 

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