Kurortmedizin: natürliche Elemente als Heilmittel

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Eine Kur ist mehr als nur Erholung, vielleicht inklusive Kurschatten. Denn sie umfasst Behandlungen mit natürlichen Elementen wie z.B. Heilbädern, vor allem aber – und zwar in Muße und an einem geeigneten Kurort – die Entwicklung eines nachhaltigen Gesundheitsbewusstseins. Das garantiert positive Langzeiteffekte.

Eine Kur ist eine medizinische, zeitlich definierte und ärztlich geleitete Maßnahme in einem anerkannten Heilbad oder Kurort, sagt die moderne Kurortmedizin. Schon das Wort “Kur“ (lat.: curare = pflegen, sorgen, behandeln, heilen, kurieren) verrät, worum es dabei geht: um eine möglichst umfassende (Wieder)Herstellung bzw. Erhaltung der Gesundheit und des Wohlbefindens. Zu diesem Zweck werden lokale natürliche Heilmittel wie z.B. Heilquellen genutzt. Doch eine Kur umfasst mehr als nur eine auf den jeweiligen Gesundheitszustand des Kurgastes abgestimmte ärztlich verschriebene Abfolge von Heilmethoden.

Eines ihrer vorrangigsten Ziele ist die Schaffung eines nachhaltigen Gesundheitsbewusstseins beim Behandelten. Daher hat ein Kuraufenthalt immer auch längerfristige positive Effekte auf seinen physischen und psychischen Zustand. Davon profitiert nicht nur der Kurteilnehmer, sondern auch die Arbeitswelt und Gesellschaft, denn Kuraufenthalte senken Krankenstände, Invalidität und Frühpensionierungen. Ganz im Sinne von “Reha vor Rente“ bzw. “Reha vor Pflege“.

Gesundheit: dynamisches Gleichgewicht

Gesundheit ist kein statischer Zustand, den ein Mensch bei der Geburt er- und dann beibehält, sondern ein in jedem Lebensabschnitt veränderlicher humanökologischer Gleichgewichtszustand zwischen seinem körperlichen und seelischen Leistungsvermögen und den Anforderungen der Um- bzw. Mitwelt. Wesentlich beeinflusst wird dieses Gleichgewicht von seinem Innenleben, weshalb Methoden der Gesundheitsförderung, -bildung und -erziehung greifen und Sinn machen. Hier setzt die Kurortmedizin an.

Behandlungen am Kurort

Die Kurortmedizin bedient sich einerseits der Heilwirkung ortsgebundener natürlicher Faktoren wie z.B. Besonderheiten des dortigen Klimas. Andererseits fungieren Methoden wie etwa Diäten oder Bewegungstherapien als Impulsgeber zu einer gesünderen Lebensführung. Spezielle Verfahren wie etwa Massagen zielen auf die Linderung spezifischer Beschwerden ab. Zur Anwendung kommen Behandlungen wie:

  • die Hydrotherapie (Wasserheilverfahren) in ihren verschiedenen Formen (Balneotherapie = Bäderheilkunde, Trinkkuren). Bedient sie sich dabei der Anwendung von Meerwasser, spricht man von Thalassotherapie.
  • Klimabehandlungen
  • verschiedene Formen der physikalischen Therapie wie Thermo-, Elektro-, Inhalationstherapie, Licht- und Strahlenbehandlungen, diverse Arten von Massagen
  • spezielle Therapiemethoden (z.B. Kneippen), die teilweise von der Beschaffenheit des Heilbades abhängen
  • Bewegungstherapien (Krankengymnastik, Sport)
  • gesunde Ernährung und Diätbehandlungen
  • Entspannungsmethoden
  • Gesundheitstrainings

In den meisten Kurorten bilden Wasseranwendungen einen wesentlichen Bestandteil des Therapieplans, wobei die Inhaltsstoffe des Wassers entscheiden, für welche Leiden eine Heilquelle taugt.

Hydrotherapie: Wasser als Heilmittel

Die Hydrotherapie nutzt Heilquellen zur Behandlung diverser Krankheiten, indem das Wasser nach einem festgelegten Therapieplan in Form von Bädern, Trinkkuren oder Inhalationen angewendet wird. Beispiele für Heilbäder sind:

  • das Moorbad: Torf gibt die Wärme nur sehr langsam ab, weswegen hiermit sogenannte Überwärmungsbäder durchgeführt werden.
  • das Kohlensäurebad: Kohlendioxid steigert die Durchblutung und senkt den Blutdruck.
  • das Schwefelbad: Schwefel erhöht die Durchblutung und wirkt antibakteriell, kommt daher bei Hautkrankheiten wie Schuppenflechte und Ekzemen zur Anwendung.
  • das Solebad: Salzwasser hilft gegen rheumatische Leiden und Hautkrankheiten.
  • das Bewegungsbad: Muskeltraining im Wasser lindert Beschwerden des Bewegungsapparates, z.B. bei Osteoporose oder Arthritis.
  • das Jodbad: durch die Haut resorbiertes Jod hilft gegen lokale Infektionen (z.B. Furunkulose)
  • das Sauerstoffbad: sprudelnder Sauerstoff führt zu einer Steigerung der Durchblutung.
  • das Inhalationsbad: ins Wasser eingebrachte ätherische Öle lindern Erkrankungen der Atemwege.

Behandlungsziele: Rehabilitation, Prävention, Gesundheitsförderung

Die Kurortmedizin mit ihren komplexen Therapiekonzepten bietet eine wirksame Prävention (Vorbeugung) gegen zivilisationsbedingte Schäden und Erkrankungen. Ein wesentlicher Faktor dabei ist, dass der Kurgast lernt, sich selbst aktiv um seine Gesundheit zu kümmern. Und dass ein gesunder Lebensstil nicht nur Einschränkungen und Unbequemlichkeiten, sondern v.a. Wohlergehen und Lebensfreude mit sich bringt. Schließlich entscheidet sein Krankheitsbewusstsein und Befinden, seine Einstellung zur Arbeit und seine Lebensverhältnisse, wie leistungs- und damit erwerbsfähig er bleibt.

Bestehen bereits deutliche Gesundheitsprobleme, sorgt eine Kur bzw. ein Kurarzt für deren Behandlung und Rehabilitation. Bestreben einer Rehabilitation ist es, trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen wieder aktiv am Leben teilnehmen bzw. ein eigenständiges Leben führen zu können sowie Behinderungen und Pflegebedürftigkeiten hintanzuhalten. Sie umfasst medizinische, berufliche und soziale Maßnahmen. Das erreicht die Kurortmedizin, in dem sie körpereigene Regulationsvorgänge und Selbstheilungskräfte mittels Reiz-Reaktionsbehandlung anregt. Neben diesen speziellen Therapien (z.B. Wasseranwendungen) sorgt ein allgemeines Basisprogramm für die Entfaltung der sogenannten Ordnungskräfte im Organismus durch:

  • das Herauslösen aus dem – oft stressigen und konfliktträchtigen – (Arbeits-)Alltag.
  • eine der Chronobiologie (Regelmäßigkeiten und rhythmisch wiederkehrende Faktoren in der Lebensweise) gerechte Harmonisierung des Tagesrhythmus, also einen Wechsel von An- und Entspannung, Nahrungsaufnahme und Schlaf etc.
  • gesunde Ernährung
  • Bewegung oder Ruhe nach einseitigen Anforderungen im Alltag

Das alles geschieht unter Muße, die eine Voraussetzung für die innere Ordnung darstellt, einer Ausschaltung schädlicher Klimafaktoren sowie der Meidung oder zumindest Einschränkung von Alltagsdrogen (z.B. Rauchen).

Je nach primärer Zielsetzung unterscheidet man zwischen einer Präventionskur und Rehabilitationskur bzw. einem Anschlussheilverfahren (AHB-Verfahren) nach einem Spitalsaufenthalt.

Wichtig: Gesundheitsbildung

Eine zentrale Aufgabe jeder Kur ist die Vermittlung von Gesundheitswissen und Motivation zu bzw. Einüben von gesundheitsförderlichem Verhalten. Deshalb beinhaltet sie in der Regel Gruppengespräche und Informationsveranstaltungen zu allgemeinen Themen einer gesunden Lebensführung sowie individuelle Gesundheitstrainings, abgestimmt auf die in der Einrichtung hauptsächlich zu kurierenden Erkrankungen. Erlernt wird krankheitsangepasstes Verhalten, z.B. Methoden, wie man mit einer bestimmten chronischen Krankheit bestmöglich lebt. Beispielsweise indem in einer Lehrküche Anleitungen zu einer krankheits- und kaloriengerechten Ernährung erfolgen.

Weiterführende Links:
Österreichischer Heilbäder- und Kurorteverband
Österreichischer Rehabilitationskompass
Kurantrag