Ginkgo: Uraltbaum schützt Hirn und Gefäße

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Ginkgo biloba – der Name bürgt für eine verbesserte Durchblutung und soll darüber hinaus die Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit stärken, zudem sogar Demenzen mildern und vieles mehr. Längst nicht alle der versprochenen Wirkungen sind wissenschaftlich eindeutig nachweisbar. Dennoch schwören viele auf die Kraft des uralten Baums, der widrigsten Umständen zu trotzen versteht.  

Riesig, uralt und der letzte seiner Art, so ist der Ginkgo-Baum (Ginkgo biloba), den es seit Millionen von Jahren gibt, der bis zu 30 Meter hoch wird und der in seiner Pflanzenfamilie, den Ginkgogewächsen (Ginkgoaceae), keine Verwandten mehr hat. Und auch sonst bietet das “lebende Fossil“ einiges an Besonderheiten: So sieht der Ginkgo aus wie ein Laubbaum, gehört botanisch gesehen jedoch zu den Nadelhölzern. Er ist recht anspruchslos sowie äußerst widerstandsfähig – gegen Autoabgase, Streusalz, Schädlinge, klimatische Extreme (z.B. Winterfrost) und andere Einflüsse, angeblich sogar gegen radioaktive Strahlen. Das macht ihn zum Symbol für ein langes Leben, Hoffnung, Fruchtbarkeit, Lebenskraft und Unbesiegbarkeit. Dass er zu den ältesten Pflanzen der Welt zählen darf, verdankt er wahrscheinlich chinesischen Mönchen, die ihn in ihren Klöstern aus medizinischen und religiösen Beweggründen lange Zeiten kultiviert haben. Die westliche Medizin sieht seine Heilkräfte allerdings kritischer.

Einzigartiger Baum

Einst besiedelte der Ginkgo-Baum Mitteleuropa. Heute heißen die Heimatländer natürlicher Ginkgo-Populationen China und Japan, wo das Gewächs seit Jahrtausenden als Tempelbaum und Heilpflanze geschätzt wird. Seit dem 18. Jahrhundert gedeiht der Baum auch wieder in europäischen Gärten und Parks und wird weltweit angebaut. Seine in ihrer Form charakteristischen Blätter, die er in den Frühlings- und Sommermonaten trägt, sind fächerartig, gekerbt, von gabeligen Blattnerven durchzogen und verschiedenfärbig. Man sammelt sie – bevor sie braun werden und abfallen – im Oktober. Sie inspirieren Künstler z.B. zur Anfertigung von ihnen gleichenden Schmuckstücken. Und auch sonst wird Ginkgo verehrt – etwa in einem Gedicht von Goethe oder gar einem ganzen Museum in Weimar.

Es gibt männliche Ginkgo-Bäume mit von April bis Mai blühenden, zwei bis drei Zentimeter langen, kätzchenförmigen Blüten. Und weibliche Bäume, die im September und Oktober außen fleischige und innen harte, pflaumengroße und grüngelbliche Samenfrüchte mit silbriger Hülle bilden, die ranzig riechen, wenn das stark fetthaltige Samenfleisch verfault. Übrig bleiben die Nüsse, die – geschält und geröstet – essbar sind und ähnlich wie Pistazien schmecken. So werden sie etwa im asiatischen Raum als Beilage oder Knabberei verzehrt. Der Ginkgo ist also zweihäusig-getrenntgeschlechtlich, d.h. zur Vermehrung des Ginkgos müssen sich ein männliches und ein weibliches Exemplar zusammenfinden, wobei er 20 bis 30 Jahre braucht, bis er geschlechtsreif ist.

Blattform und Farbe der Samenhülle sowie geschichtliche Ereignisse bescheren dem Ginkgo (eigentlich japan.: Ginkyo) seine zahlreichen Namen wie Fächertanne, Silberaprikose, Hügelaprikose, Ginko, Mädchenhaarbaum, Silberbaum, Tempelbaum, Entenfußbaum, Fächer(blatt)baum, Elefantenohrbaum, Japanischer Nussbaum, Vierzig-Taler-Baum und Großvater-Enkel-Baum.

Spezieller Wirkstoffmix

Es sind die Ginkgoblätter, wo die wertvollen Diterpene (v.a. Ginkgolide A, B und C), Sesquiterpene (v.a. Bilobalid) und Flavonoide (z.B. Kämpferol, Quercetin, Isorhamnetin) sitzen, deren Zusammenwirken für die Heileffekte verantwortlich sein sollen. Zudem Biflavone (Amentoflavon, Bilobetin, Ginkgetin), Proanthocyanidine, Ginkgotoxin (4´-Omethylpyridoxin), Phenolkarbonsäuren (Shikimi-, Protocatechu-, Vanillin-, Hydroxybenzoesäure), Alkohole, Pinit, Zucker, Essigsäure, Capronsäure, Alkyl- und Alkenylphenole (“Ginkgosäuren“), Shikmisäure, Sitosterin, Wachs, Stärke, Harz und ätherisches Öl. Wobei die Terpenoide in ihrer speziellen Form und Zusammensetzung als Ginkolide und Bilobalide nur im Ginkgo zu finden sind.
Das Substanzgemisch aus Flavonoiden, Ginkgoliden und Terpenen schützt – zumindest in Tierversuchen – Nervenzellen vor schädlichen Einflüssen (Neuroprotektion) und unterstützt bestimmte Botenstoffe im Gehirn, die Funktionen wie das Gedächtnis und Lernen beeinflussen. Darüber hinaus sollen sie die Fließeigenschaften des Blutes verbessern, das Verkleben von Blutplättchen und damit die Blutgerinnung hemmen und sie gelten als Radikalfänger. Deshalb soll Ginkgo helfen, wenn die geistige Fitness oder Konzentration nachlässt, das Lernen schwerfällt oder gar sich eine Alzheimer-Demenz einstellt, worüber sich Forscher jedoch sehr uneinig sind. Oder überspitzt formuliert: Für jede Studie, die einen positiven Wirkungsnachweis zu erbringen glaubt, existiert zumindest eine andere, die das Gegenteil besagt.

Ebenso soll Ginkgo Durchblutungsstörungen und ihre Auswirkungen (z.B. Schwindel, Tinnitus) bessern. So ist die Pflanze seit langem dermaßen bei uns etabliert, dass viele gegen Durchblutungsstörungen verkaufte Medikamente Ginkgo-Präparate sind.

Jedenfalls finden Ginkgo-Zubereitungen Verwendung bei

  • gefäßbedingten oder degenerativen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Demenzen
  • Arteriosklerose, arterieller Verschlusskrankheit, Durchblutungsstörungen und dadurch bedingtem Schwindel
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • funktionellen Herzbeschwerden
  • Thrombosen und Schlaganfällen
  • Hör- und Sehstörungen (z.B. “müde Augen“ durch Bildschirmarbeit)

Ungeachtet fehlender wissenschaftlicher Nachweise wird Ginkgo aber auch eingesetzt zwecks Anti-Aging, Wiederherstellung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit, Verbesserung der Belastungsfähigkeit bei Stress, Unterstützung der Lungenfunktion, des Kreislaufs, der sexuellen Energie und Spermienproduktion. Außerdem zur Bekämpfung von altersbedingtem Leistungsabfall, Hörstürzen, Kopfweh/Migräne, Asthma, Bronchitis, Alkoholmissbrauch, Angststörungen, Depressionen, multipler Sklerose, Diabetes, eitrigen Schleimhautentzündungen, Mastodynie (Brustspannen), grauem und grünem Star, Makuladegeneration, Venenentzündungen, Krampfadern, geschwollenen Beinen, prämenstruellen Beschwerden, Gleichgewichtsstörungen, Magenproblemen, Schwerhörigkeit, Wurmerkrankungen und zur Wundheilung (z.B. bei Dekubitus) u.a.m.

In Asien (z.B. in der Traditionellen Chinesischen Medizin) werden die Samen bzw. Früchte, aber auch Blätter und Baumrinde des “Wunderbaum“ schon lange zur Schönheitspflege verwendet und als Heilmittel gegen z.B. Asthma, Bronchitis, Kreislaufstörungen, Hautkrankheiten, Harninkontinenz und Angstzustände verspeist. Dort gilt er aufgrund seiner Blattform als ein Symbol für Yin und Yang, d.h. er dient dem Ausgleich von Gegensätzen.

Vorsicht Ginkgolsäuren!

So uneinig sich die Wissenschaftler bezüglich der Heilwirkungen von Ginkgo sind, so klar sind ihre Empfehlungen in puncto Zubereitungsform und die lauten: Fertigpräparate ja, Tee besser nein. Warum? Weil aus einem Ginkgoblätter-Tee die wirksamen Substanzen nur unzureichend herausgelöst werden. Zudem können darin – und das in sehr unterschiedlichen Mengen – als bedenklich einzustufende Ginkgolsäuren vorkommen, die Allergien auslösen, Zellen und Nerven schädigen sowie möglicherweise das Erbgut verändern können. Zudem scheinen sie – z.B. bei Kontakt mit der Haut oder Schleimhäuten – entzündungsfördernd zu wirken. Daher kann die orale Einnahme (v.a. in hohen Dosen) zu gastrointestinalen Störungen (z.B. Magenreizung, Übelkeit, Erbrechen) führen. Und: Sie werden nahezu unverändert über die Nieren ausgeschieden, weshalb es auch zu einer Nephritis (Nierenentzündung) kommen kann. Für äußerliche Behandlungen von schlecht heilenden Wunden oder Geschwüren kann man Ginkgo-Tee aber – ebenso wie verdünnte Ginkgo-Tinktur – in Form von Umschlägen sehr wohl gebrauchen.

Um gewünschte Effekte durch die Einnahme von Ginkgo zu erzielen, müssen die heilsamen, aber nur schwer wasserlöslichen Stoffe aus getrockneten Ginkgo-Blättern in über 20 Verfahrensschritten gewonnen und zu Extrakten (Auszügen aus der Pflanze) konzentriert werden. Diese werden dann zu Fertigpräparaten wie Tabletten, Dragees, Tropfen oder Tinkturen verarbeitet und dabei die Ginkgolsäuren weitgehend entfernt bzw. auf eine zulässige Menge begrenzt. Darüber hinaus sind Artikel wie Seifen, Shampoos oder gar imprägnierte Stützstümpfe mit Ginkgozusätzen auf dem Markt.

Solcherart gereinigte Ginkgo-Mittel führen nur selten zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder allergischen Reaktionen. Sie müssen allerdings über einige Wochen hinweg genommen werden, um Wirkung zu zeigen, auch wenn sie sich nicht für eine Dauertherapie eignen.

Vorsicht geboten ist jedoch, wenn man blutverdünnende Medikamente einnimmt, weil Ginkgo deren Wirkung verstärkt, wodurch es zu Blutungen kommen kann. Zudem kann Ginkgo das Risiko für postoperative Blutungen erhöhen, weshalb in beiden Fällen mit dem behandelnden Arzt Rücksprache gehalten werden sollte und das Absetzen von Ginkgopräparaten einige Tage vor einem geplanten chirurgischen Eingriff empfehlenswert erscheint. Schwangere sollten auf Ginkgo überhaupt verzichten.

 

Weiterführender Link:
Ginkgohaltige Teeprodukte nicht ohne Risiko

Links zu unserem Lexikon:
Ginkgoblätter-Flüssigextrakt
Ginkgoblätter-Tinktur
Durchblutungsstörungen der Beine
Arteriosklerose
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