Colon-Hydro-Therapie: Krankheiten aus dem Darm spülen

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Colon-Hydro-Therapie nennt sich eine spezielle Form der Darmspülung, die diverse Beschwerden lindern und das Wohlbefinden fördern soll. Ob sie wirklich der Gesundheit dient, ist allerdings umstritten.

Mit den Nahrungsmitteln gelangen auch Abfall- und Schadstoffe in den Organismus, die über die Ausscheidungsorgane (Darm, Leber, Niere, Lymphe, Lunge, Hautoberfläche), allen voran den Dickdarm, großteils abgebaut und ausgeschieden werden. Verbleiben Rückstände solcher unerwünschten Substanzen im Körper, können sie sich negativ auf die Gesundheit auswirken und zu einer Autointoxikation (Selbstvergiftung) führen. Mit krankmachenden Folgen wie einer Dysbiose (gestörte Darmflora), Müdigkeit, Kopfschmerzen, Depressionen, Infektionen, Entzündungen, Allergien, Rheuma u.v.a.m. Davon gehen die Verfechter sogenannter Ausleitungsverfahren, die der Entschlackung und Entgiftung dienen sollen, aus.

Zu den Ausleitungsverfahren zählt auch die Purgation (lat.: purgare = reinigen), d.h. Darmreinigung durch eine gezielte Darmspülung, genannt Colon-Hydro-Therapie (CHT, Kolonhydrotherapie). Die von Naturheilkundlern beschworene Effektivität und zugleich Harmlosigkeit dieser Weiterentwicklung von Darmeinläufen teilt die Schulmedizin nicht, räumt ihr aber unter bestimmten Umständen einen gewissen Nutzen ein.

Darmflora als Gesundheitsfaktor

Die sogenannte Darmflora besteht aus Billiarden von Mikroorganismen, die überwiegend im Dickdarm, zum geringeren Teil aber auch – dichter im unteren (Blinddarm), deutlich spärlicher im oberen – Dünndarm angesiedelt sind. Dabei handelt es sich hauptsächlich um anaerobe (keinen Sauerstoff benötigende), teilweise jedoch auch aerobe (auf Sauerstoff angewiesene) Bakterien mit großer Artenvielfalt (mehrere hundert bis zu tausend verschiedene Arten mit unterschiedlicher Mengenverteilung, nur kultivierbare sind identifizierbar, daher divergierende Angaben) wie etwa solche der Gattungen Bacteroides, Clostridium, Fusobacterium, Eubacterium, Ruminococcus, Peptococcus, Peptostreptococcus, Bifidobacterium, Escherichia, Lactobacillus u.a.m.

Die Zusammensetzung der Bakterienpopulation variiert von Mensch zu Mensch, ist also sehr individuell (“gastrointestinaler Fingerabdruck“) und hängt von bestimmten Gegebenheiten ab. So sieht etwa die Darmflora von auf natürlichem Weg geborenen Kindern anders aus als die von per Kaiserschnitt auf die Welt geholten. Ebenso unterscheidet sich die Keimbesiedelung des Darms bei gestillten Babys (primär Milchsäure produzierende Bifidobakterien und Laktobazillen) von derjenigen bei “Flaschenkindern“ (primär E. coli, Streptococcus). Die Darmbakterien leben mit ihrem Wirt, dem Menschen, in Symbiose, d.h. in einer für beide Seiten nützlichen Gemeinschaft. Im Gegenzug für das Nahrungsangebot bieten die Bakterien dem Menschen Leistungen wie unverdaute Energielieferanten (z.B. Kohlenhydrate) zu fermentieren, das Immunsystem zu trainieren und damit eine Tumorbildung abzuwehren, das Wachstum unerwünschter bis schädlicher Mikroorganismen (z.B. Clostridium difficile) zu unterdrücken, Vitamine (Biotin, Vitamin K, Fol- und Nicotinsäure) zu synthetisieren und nicht zuletzt die Darmentwicklung (Kontrolle der Vermehrung der Schleimhautzellen durch die Produktion kurzkettiger Fettsäuren) zu regulieren. Sie bilden somit in ihrer Gesamtheit quasi eine Art “Stoffwechselorgan“.

Neben den Bakterien bevölkern natürlicherweise – in geringer Keimzahl – Pilze (z.B. Candida, Saccharomyces, Aspergillus, Penicillium) und Protozoen (Einzeller) die Darmschleimhäute. Über deren Funktionen für den menschlichen Verdauungstrakt forscht noch die Wissenschaft.

In einem Punkt sind sich allerdings Alternativ- und Schulmedizin einig: Eine veränderte Darmflora beeinflusst die Gesundheit. Denn können sich die nützlichen Darmbakterien nicht ausreichend vermehren, weil Krankheitserreger im Gedärm Überhand nehmen, verbleiben von diesen produzierte Abbauprodukte teilweise im Organismus, weil sie nicht rasch genug hinausbefördert werden. Dann leidet vor allem die Immunabwehr und der Stoffwechsel gerät durcheinander. Als Verursacher einer gestörten Keimbesiedelung des Darms, die bei 95 Prozent der Bevölkerung vorkommen soll, werden heutige Ernährungs- und Lebensgewohnheiten angeschuldigt. Die Colon-Hydro-Therapie gilt unter Alternativmedizinern als probate Möglichkeit, Entgleisungen der mikrobiellen Darmbesiedelung zu regulieren.

Colon-Hydro-Therapie: wie sie abläuft

Bei einer Colon-Hydro-Therapie wird in den Enddarm des bequem liegenden Behandelten ein kurzes, steriles Kunststoffröhrchen eingeführt, durch das ohne Druck literweise Wasser mit abwechselnd niedrigeren und höheren Temperaturen (zwischen 25 und 41 Grad Celsius) in den Darm fließt, dort Ablagerungen löst und wieder hinausgeleitet wird. Und zwar über ein geschlossenes Schlauchsystem (Einwegmaterial zur Vermeidung von Infektionen). Deshalb kommt es auch zu keiner Geruchsentwicklung infolge des herausgespülten Darminhalts, der sich durch ein Sichtfenster in der Apparatur vom Behandler, der während der gesamten Prozedur anwesend sein sollte, beurteilen lässt.

Warmes Wasser lockert Verkrampfungen der Darmmuskulatur, kühleres tonisiert erschlaffte  Darmbereiche und lässt ödematöse Schleimhautabschnitte abschwellen. Die mit der Prozedur verbundene Flüssigkeitsaufnahme ins Blut verbessert dessen Fließeigenschaften und die Harnausscheidung der Nieren steigt, sodass auch auf diesem Weg vermehrt Toxine ausgeschieden werden.

Beim letzten Spülgang kann das Wasser mit reinem Sauerstoff oder Ozon angereichert werden, was die Durchblutung des Darms und das Wachstum der gesunden Darmbakterien anregen sowie eine Zunahme der Sauerstoffkonzentration des die Organe versorgenden Blutes bewirken soll. Während der Darmreinigung kann eine sanfte Bauchmassage erfolgen, die zusammen mit der Temperaturdifferenz des Wassers die Peristaltik (wellenförmig fortschreitendes Zusammenziehen der Muskulatur in der Darmwand, um den Darminhalt zu durchmischen und in Richtung Darmausgang zu transportieren) anregen soll, weshalb nach der Behandlung meist Stuhldrang auftritt. Sie dient zudem der Ertastung vorhandener Problemzonen, wohin dann der Therapeut das einfließende Wasser lenkt.

In der Regel sind – abhängig vom Gesundheitszustand, dem Ernährungsstil und der Darmkonstitution – mehrere Sitzungen notwendig, um den Darm komplett zu reinigen und die Darmflora zu sanieren. Allerdings können bestimmte Maßnahmen im Sinne einer Vorbereitung auf die Behandlung die Zahl der CHT-Anwendungen senken. So aktiviert die längerfristige Einnahme verdauungsfördernder Substanzen wie z.B. Flohsamen, begleitet von einer ballaststoffreichen Ernährung durch Anregung der Peristaltik die Verdauung, weicht Ablagerungen und verhärteten Kot auf und entfernt Fäulnisstoffe von den Darmwänden, leistet also eine Art “Vorreinigung“. Ebenso unterstützt ein in den Tagen vor und nach der CHT eingehaltener Verzicht auf Fleisch und Milchprodukte oder noch besser ein Fasten (z.B. nur Obst und Gemüse oder Saftfasten) den Reinigungsprozess.

Da bei der Colon-Hydro-Therapie auch ein Teil der gesunden Darmflora mitausgeschwemmt wird, sollte diese während der Darmreinigungskur oder im Anschluss daran zusätzlich mit hochwertigen Probiotika aufgebaut werden (Symbioselenkung, Darmsanierung).

Welche Leiden lindert die CHT?

Die Colon-Hydro-Therapie findet bei einer Vielzahl von Beschwerden Einsatz. Verstopfung, Durchfall (nach Ausschluss zugrundeliegender Erkrankungen), Blähungen, Reizdarm, Divertikulose, Stoffwechselstörungen, (Parasiten-)Infektionen, Hauterkrankungen (z.B. Psoriasis, Neurodermitis, Akne), chronische Entzündungen, Rheuma, Polyarthritis, Allergien, Depressionen, chronische Müdigkeit und Erschöpfungszustände etc. nennen Anwender der CHT als mit der Methode erfolgreich behandelbare Beschwerden. Die Darmspülung dient darüber hinaus der Einleitung einer Fastenkur oder Ernährungsumstellung, Unterstützung eines Drogen- oder Medikamentenentzugs, Stärkung des Immunsystems, Vorbeugung von Krankheiten u.a.m. Wissenschaftler gestehen der CHT eine gewisse Sinnhaftigkeit vor medizinischen Eingriffen wie z.B. einer Darmspiegelung oder Darmoperation zu.

Darmreinigung: fraglicher Nutzen –  mögliche Schäden

Kritische Stimmen zweifeln am Nutzen der Methode, da es an wissenschaftlichen Beweisen für ihre Heilwirkungen fehlt. Sie sehen die Colon-Hydro-Therapie nicht ganz so beschwerdefrei und bedenkenlos wie ihre Anhänger. Im Zuge der Darmspülung können nämlich Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Bauchkrämpfe und Schwindel auftreten. Wenn auch eher selten soll es aber auch zu schwerwiegenden Folgen kommen wie Elektrolytstörungen, einer Dehydratation (Austrocknung), Herzinsuffizienz, Pankreatitis oder einem akuten Nierenversagen. Unfachmännisch durchgeführt besteht das Risiko einer Darmperforation. Bei mangelhafter Hygiene (fehlende Sterilität der verwendeten Gerätschaft) drohen Infektionen. Manche Hydrotherapeuten fügen dem Wasser Substanzen zu, die nicht in jedem Fall unbedenklich sind.

Nicht durchgeführt werden sollte eine Colon-Hydro-Therapie deshalb bei schweren Herz- und Nierenleiden, Aneurysmen (Arterienerweiterungen), Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Darmtumoren, akuten Darmentzündungen (z.B. im Rahmen einer Divertikulitis, Colitis ulcerosa oder eines M. Crohn), schweren Hämorrhoiden, in der Schwangerschaft und nach frischen (Darm-)Operationen.

 

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