Biorhythmus: Kurven, die den Lebenstakt bestimmen

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23 – 28 – 33, so lauten nicht etwa die Idealmaße bestimmter Körperteile, sondern schlichtweg die Tagesanzahl der drei von Geburt an auf den Menschen einwirkenden Biorhythmen für Körper, Seele und Geist, behauptet eine – allerdings wissenschaftlich unbewiesene – Theorie. Tatsächlich bieten die Biorhythmus-Kurven eine Hilfe für den Alltag. Sich einfach nur auf sie auszureden, wenn es am nötigen Know-how oder Engagement für ein Vorhaben fehlt, sollte aber unterbleiben.

Ab der Geburt sollen Kräfte auf Körper, Seele und Geist einwirken, die einem bestimmten Takt folgen – mit Höhen und Tiefen, die sich auf simple Weise berechnen lassen. Resultat: drei Kurven, die den körperlichen bzw. seelischen bzw. geistigen Zustand an jedem Tag des Lebens anzeigen. Somit bräuchte man nur diesen zu folgen, um sich negative Erfahrungen zu ersparen. Aber auch, um Ziele leichter zu erreichen. Auf jeden Fall aber kann seinen Biorhythmus kennen zumindest bei voraussehbaren Ereignissen dabei helfen, besser damit umzugehen, weil man sich ihnen nicht ohnmächtig ausgeliefert fühlt.

Zahlen bestimmen die Tagesform

Die Lehre vom Biorhythmus beruht auf der Annahme, dass sich das menschliche Befinden aus der physischen, emotionalen und intellektuellen Verfassung der jeweiligen Person zusammensetzt. Denn Körper, Seele und Geist unterliegen periodischen, d.h. bestimmten Schwingungsmustern gehorchenden Veränderungen. Der Wiener Psychologe Hermann Swoboda und der Berliner Arzt Wilhelm Fließ haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts dafür aufgrund ihrer Beobachtungen einen Berechnungsmodus entwickelt. Der besagt, dass in allen drei Bereichen “gute“ und “schlechte“ Tage definierten regelmäßigen Phasen folgen, die sich unkompliziert ermitteln und als sinusförmige Schwingungen mit unterschiedlicher Periodendauer zwischen Extrempunkten darstellen lassen. Demnach umfasst der Biorhythmus folgende drei Sinuskurven (Wellenlinien):

  • den körperlichen (physischen) Rhythmus mit einer Länge von 23 Tagen
  • den seelischen (emotionalen) Rhythmus mit einer Länge von 28 Tagen
  • den geistigen (intellektuellen) Rhythmus mit einer Länge von 33 Tagen

Zu laufen beginnen diese Biorhythmen zum Zeitpunkt der Geburt, wo sich alle drei auf dem Nullpunkt befinden. Um daraufhin in den positiven Bereich (aufsteigende Phase) zu gelangen bis zu einem Umschlagspunkt (Wechseltag; körperlicher Rhythmus: Tag 12, seelischer Rhythmus: Tag 13 und 14, geistiger Rhythmus: Tag 17). Dann folgt eine Erholungsphase (Erneuerungsphase, absteigende Phase), die genauso lang dauert wie die Hochphase, in der der Organismus ruht und sich auf die nächste Hochphase vorbereitet. Danach beginnt der gesamte Zyklus erneut. Da die drei Schwingungen von unterschiedlicher Dauer sind, ergeben sich laufend Verschiebungen der Kurven gegeneinander und damit verschiedene Kombinationen von Hochs und Tiefs in einer, zwei oder allen drei Komponenten. Daher befinden sich auch gelegentlich alle drei Kurven gleichzeitig auf dem höchsten bzw. tiefsten Punkt.

Beginn (Tag 1), Umschlagspunkt (Tag 12 bzw. 13/14 bzw. 17) und Ende (Tag 23 bzw. 28 bzw. 33) jedes der drei Rhythmen gelten als kritische Tage, an denen man ein Leistungstief in dem betroffenen Bereich hat, z.B. unkonzentriert oder emotional schwer zugänglich ist. Also solche, an denen möglichst keine riskanten Tätigkeiten ausgeübt werden sollten, weil dann – z.B. durch verminderte Aufmerksamkeit – eine erhöhte Unfallgefahr zu befürchten steht. Und zwar gleich um das Vielfache, zeigen Statistiken.

Die körperliche Kurve

Sie schwingt mit einem Rhythmus von 23 Tagen. In der positiven Phase (Tag 2 bis 11) fühlt man sich vital und leistungsfähig, verfügt über viel Energie und große Ausdauer, ohne fürchten zu müssen, sich zu sehr zu überanstrengen. Gepaart mit Unternehmungslust und Dynamik, Selbstvertrauen und Mut. Körperliche Tätigkeiten gelingen müheloser, was v.a. für Vertreter physisch beanspruchender Berufe (z.B. Bauarbeiter) und Sportler von Belang ist.
Die negative Phase (Tag 13 bis 22) ist gekennzeichnet von einer verlangsamten Reaktionsfähigkeit, raschen Ermüdbarkeit, einem allmählichen Kräfteabfall sowie höheren Bedarf nach Pausen und Entspannung, vor allem nach größeren Anstrengungen. Insbesondere die letzten Tage in der Tiefphase verlangen nach Ruhe und Erholung, um neue Kräfte zu sammeln.

An körperlichen Wechseltagen (Tag 1, 12, 23) ist man gesundheitlich anfälliger als zu anderen Zeiten und muss für sonst recht leicht bewältigbare Aufgaben mehr Konzentration aufwenden.

Die seelische Kurve

Ihre Periodendauer umfasst 28 Tage. In der Hochphase (Tag 2 bis 12) herrscht eine erhöhte Wahrnehmungs- und Empfindungskraft sowie Sensibilität im zwischenmenschlichen Umgang vor. Intuition, Gelassenheit, Kreativität, Optimismus blühen auf, was vor allem für Vertreter sozialer (z.B. Erzieher, medizinisches Personal) und künstlerischer Berufe sowie Dienstleister von Bedeutung ist.

In der Tiefphase (Tag 16 bis 27) neigt man eher dazu, angespannt, reizbar, überempfindlich oder niedergeschlagen zu reagieren, leicht in Stress zu geraten sowie schlechte Nachrichten nur schwer wegstecken zu können. Es entwickeln sich leichter Schuldgefühle, eine ängstliche und pessimistische Sicht auf die Welt bis hin zu einem Gefühl der Sinnlosigkeit, emotionalen Krisen oder gar Depressionen unterschiedlichen Schweregrades.

An emotionalen Wechseltagen (Tag 1, 13, 14, 28) bestehen Tendenzen zu konfusem Verhalten, einem sich Stören an Nichtigkeiten, seelischen Konflikten bis hin zu einem gefühlsbedingten Chaos.

Die geistige Kurve

Sie hat einen 33-Tage-Rhythmus. An Plustagen liegt ein erhöhtes Maß an Konzentration, Lernvermögen, Gedächtnisleistung, Logik, Kombinationsgabe und Orientierungssinn vor. Man nimmt Informationen leichter auf, kann sie müheloser verarbeiten und wiedergeben. Das ist vor allem für Schüler, Studenten und Intellektuelle von Interesse.

An den weniger günstigen Tagen sind Lernverhalten, vorausschauendes Denken, Einschätzungsvermögen und Entscheidungskraft durch Denkfehler und Momente von Geistesabwesenheit beeinträchtigt. Geistige Beweglichkeit, Lern- und Entscheidungsfreude lassen nach. Bei heiklen Aufgaben kommt es eher zu mentaler Erschöpfung.

Intellektuelle Wechseltage zeichnen sich durch eine gehemmte geistige Spannkraft, verminderte Reaktionsfähigkeit (Vorsicht: Straßenverkehr!) und eine blockierte Fähigkeit, neuen Lernstoff aufzunehmen aus. Das ist kein guter Zeitpunkt, verzwickte Probleme lösen zu wollen.

Vom praktischen Nutzen der Biorhythmik

Die Biorhythmik macht Leistungshochs und -tiefs vorhersehbar bzw. im Voraus berechenbar. Somit lassen sich bestimmte Ereignisse beeinflussen. Etwa indem man bei der Vereinbarung von Terminen darauf achtet, möglichst nur an einem positiven Tag im körperlichen Rhythmus an einem sportlichen Wettkampf teilzunehmen bzw. Impfungen, Operationen oder zahnärztliche Eingriffe vornehmen zu lassen. Oder – soweit selbst bestimmbar – eine Prüfung/einen Projektstart/ein Vorstellungsgespräch an einem geistig günstigen Tag absolviert. Wobei es bei so wichtigen Ereignissen natürlich vorteilhaft ist, befinden sich alle drei Rhythmen in der aufsteigenden Phase, jedenfalls aber nicht im Bereich von Wechseltagen. Diese Erkenntnisse nutzt etwa bereits die Schweizer Fluggesellschaft Swissair, deren Piloten an biorhythmisch kritischen Tagen nicht fliegen dürfen. Folge: Menschliches Versagen ist bei dieser Fluglinie als Unfallursache nahezu unbekannt.

Die Biorhythmik spielt aber auch in menschliche Beziehungen hinein, denn treffen sich zwei Personen, ist es recht wahrscheinlich, dass sie nicht vollkommen “gleich getaktet“ sind. Nun hat es unbestritten Vorteile, stimmen die Hoch- und Tief-Phasen zweier Menschen einigermaßen überein, denn dann befinden sie sich oft auf gleicher Wellenlänge. Allerdings besteht bei allzu synchronen Rhythmen auch eine gewisse Gefahr, dass sich deren Träger in ihren Tiefphasen gegenseitig “hinunterziehen“. Auf jeden Fall ist schon viel gewonnen, kennen in einer Gemeinschaft die Mitglieder die kritischen Tage ihres Gegenübers. Dann kann man leichter “Launen“, Unkonzentriertheiten oder Vergesslichkeiten nachsehen, d.h. sich in Verständnis üben. Auch das wird berücksichtigt – in asiatischen Ländern wie Japan, wo Firmen den Biorhythmus ihrer Angestellten und Manager in die Organisation der Arbeit einbeziehen.

Den Biorhythmus berechnen

Die Beschaffenheit und Auswirkungen der drei Rhythmen sind nun bekannt. Bleibt nur noch zu klären, wie man sie überhaupt berechnet. Das geht ganz einfach:

1.)    Mit einem Taschenrechner oder händisch die Zahl der Tage, die seit dem Tag der Geburt bis zum Tag der Berechnung vergangen sind, berechnen. Das bedeutet: Das Lebensalter mit 365 multiplizieren und die nach dem letzten Geburtstag hinzugekommenen Tage sowie alle in der bisherigen Lebensspanne enthaltenen Schalttage hinzuzählen. Das ergibt die Gesamtzahl der bis zum Berechnungstag verbrachten Lebenstage.

2.)    Diese Zahl der Lebenstage nun durch 23 (für den körperlichen Rhythmus), dann durch 28 (für den seelischen Rhythmus) und zuletzt durch 33 (für den geistigen Rhythmus) teilen. Resultat am Taschenrechner: drei Zahlen mit einigen Stellen vor dem Komma (= gibt an, wie oft man den jeweiligen Rhythmus bereits durchlaufen hat, ist nicht weiter von Belang) und einigen Stellen nach dem Komma, die angeben, welchen Bruchteil des jeweiligen Rhythmus man am Tag der Berechnung schon durchlebt hat, d.h. in welcher Phase des körperlichen bzw. seelischen bzw. geistigen Rhythmus man sich gerade befindet. Resultat bei händischem Dividieren: ebenso drei Zahlen, die die Anzahl durchlaufener Rhythmen darstellen. Und ein Rest.

3.)    Am Taschenrechner die ersten drei Zahlen nach dem Komma mit 23, dann mit 28 und schließlich mit 33 multiplizieren – und schon hat man die Zahlen für alle drei Rhythmen am Berechnungstag (z.B. 2/5/23). Beim händischen Rechnen ist es der jeweilige Rest, der diese Zahlen angibt.

4.)    Diese Zahlen in einen Kalender eintragen und für darauffolgende Tage jeweils immer um eine Zahl weiterzählen. Auf die Art kann man seine Biorhythmen für Monate oder gar Jahre im Voraus verfolgen, ohne die Berechnung wiederholen zu müssen. Vorausgesetzt man vergisst nicht darauf, beim körperlichen Rhythmus nach 23, beim seelischen nach 28 und beim geistigen nach 33 wieder mit 1 zu beginnen.

Ob die Berechnung stimmt, verrät beim seelischen Rhythmus der 14. Tag (= Wechseltag), der immer auf denselben Wochentag fallen muss wie der Geburtstag. Wer also an einem Sonntag geboren wurde, dessen Wechseltage sind immer und ausnahmslos Sonntage.
Alternative zur Berechnung: Im Internet nach entsprechenden Seiten suchen, dort sein Geburtsdatum eingeben und an den daraufhin erscheinenden Kurven seine Tagesverfassung ablesen.