Aromatherapie: heilende Düfte

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Düfte beeinflussen Körper und Seele, Gesundheit und Wohlbefinden. Das nutzt die Aromatherapie zur Linderung verschiedenster Beschwerden. Zu diesem Zweck verwendet die “Duftheilkunde“ naturreine ätherische Öle. Für Inhalationen, Massagen, Bäder u.v.a.m.

Wir kennen es alle: Bestimmte Gerüche wecken in uns Assoziationen zu bestimmten Situationen und Emotionen. Das geschieht ganz automatisch, außerhalb jeglicher verstandesmäßiger Kontrolle. Einige Düfte beleben, andere entspannen uns, wieder andere empfinden wir als abstoßend. Auf jeden Fall beeinflussen sie unsere Stimmung und unser Wohlbefinden. Das macht sich eine Form der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) namens Aromatherapie zunutze, die ätherische Öle einsetzt, um beispielsweise Infekte, Muskelverspannungen, Stresszustände, Schlafstörungen u.a.m. zu lindern. Benannt und begründet wurde sie im vorigen Jahrhundert vom französischen Chemiker und Parfümeur René-Maurice Gattefossé, der davon überzeugt war, Krankheiten allein mit ätherischen Ölen heilen zu können.

Wie ätherische Öle wirken

Um die gesundheitsfördernden Effekte ätherischer Öle wussten bereits so alte Kulturen wie z.B. die Sumerer oder Ägypter und bedienten sich zu Heilzwecken duftender Pflanzenessenzen. Wie die flüchtigen Stoffgemische wirken, erforscht inzwischen die Wissenschaft. So zeigen Untersuchungen, dass ätherische Öle aufgrund ihrer kleinen Molekülstruktur leicht über die Atemwege, Haut oder den Magen aufgenommen werden und von dort schon nach wenigen Minuten ins Blut gelangen.

Einerseits wirken die Substanzen über den Geruchssinn, indem sie sich an Rezeptoren auf den Riechschleimhautzellen binden, die die Duftinformation via Nervenfasern des Nervus olfactorius (Riechnerv) innerhalb von Sekundenbruchteilen zum Riechhirn weiterleiten. Dieses steht in Verbindung zu Gehirnregionen, die für Emotionen, Schmerzempfindung und hormonelle Regulationsvorgänge zuständig sind. Andererseits besitzen die Öle direkte pharmakologische Effekte an den Stellen, wo sie hingelangen.

Die Vielfalt der unterschiedlichen Inhaltsstoffe (z.B. Rose: ca. 400) der in der Aromatherapie verwendeten rund 100 verschiedenen Substanzen ermöglicht zahlreiche therapeutische Wirkungen, die für viele medizinische Fachdisziplinen interessant sind. Wie etwa eine Stabilisierung des Immunsystems, Schmerz- und Hustenreizstillung, Förderung des Hustenauswurfs, der Verdauung und der Haut- und Schleimhautregeneration, eine Entzündungs- und Blähungshemmung, Ausbalancierung des Hormon- und Nervensystems (z.B. Förderung der Konzentration, Stimmungsaufhellung, Belebung oder Beruhigung), Aphrodisierung sowie antiseptische, desinfizierende und antimikrobielle (keimtötende) Effekte.

Deshalb eignet sich die Aromatherapie zur alleinigen, mehr noch aber zur die Schulmedizin oder andere Naturheilverfahren (z.B. Bachblüten-Therapie) ergänzenden Behandlung von z.B.

  • Pilz- (Lavendel, Teebaumöl), Virus- (Eukalyptus, Zitrone, Teebaumöl) und – in Kombination mit einer Antibiotikatherapie (Thymian, Oregano, Nelke, Bohnenkraut und Zimt können die erforderliche Antibiotikamenge senken) – bakteriellen Infektionen
  • Schmerzzuständen (z.B. Kopfschmerzen)
  • Atemwegserkrankungen (z.B. Asthma; schleimlösend: z.B. Rosmarin, Eukalyptus)
  • Haut- und Haarproblemen (z.B. Neurodermitis)
  • Allergien
  • Menstruations- und Wechseljahrsbeschwerden
  • Stoffwechselstörungen
  • psychischen Leiden (z.B. Depressionen, Burn Out, ADHS, Schlafstörungen; entspannend: Jasmin, schlaffördernd: Lavendel, stimmungsaufhellend: Orange, aufmerksamkeitsfördernd: Menthol)

Allerdings unterliegen ätherische Öle Schwankungen in ihrer chemischen Zusammensetzung, sodass sie sich in ihrer therapeutischen Wirksamkeit nicht so einfach vergleichen lassen. Dennoch konnten Studien Heilwirkungen für verschiedene Öle (z.B. Eukalyptus-, Pfefferminz-, Lavendelöl) belegen. Sie beruhen zum Teil aber auch auf der Entspannung und menschlichen Zuwendung, die im Rahmen der Aromatherapie-Anwendungen (z.B. Massagen) den Behandelten zuteilwerden.

Verwendete Substanzen

Bei der Aromatherapie zum Einsatz kommen – möglichst biologisch reine, d.h. naturbelassene, rückstands- und pestizidfreie – Öle aus den Blättern, Blüten, Samen, Früchten, Zweigen und Wurzeln therapeutisch wirksamer Gewächse verschiedener Pflanzenfamilien wie etwa der Zitrusfrüchte oder Nadelhölzer. Sie werden per Wasserdampfdestillation oder Kaltpressung gewonnen und entweder pur oder mit z.B. Mandel-, Sesam- oder Olivenöl verdünnt (für Massagen, Einreibungen) verwendet.

Ätherische Öle sind hydrophobe (wasserabweisende) Flüssigkeiten mit darin gelösten Pflanzenextrakten und meist für die jeweilige Pflanze typischem Duft. Ihre biologischen Funktionen bestehen z.B. im Fernhalten von Schädlingen oder dem Anlocken von Insekten etc. Sie enthalten im Wesentlichen Terpene, Sesquiterpene und aromatische Verbindungen, aber keine Fette und verdampfen daher rückstandsfrei.

Zwecks Qualitätskontrolle lohnt sich ein Blick auf das Etikett bzw. in den Beipackzettel aromatherapeutischer Präparate. Dort sollten neben der Chargennummer und Füllmenge die botanische und lateinische Bezeichnung der Herkunftspflanze, ihr Herkunftsland und Einsatzzweck, das Gewinnungsverfahren sowie welche Pflanzenteile dafür verwendet wurden, außerdem bestimmte Sicherheits- und Warnhinweise angeführt sein. Angaben über den Ursprung erfordern Zusätze wie “kontrolliert-biologischer“, “Wild“- oder “konventioneller“ (rückstandsfreier) Anbau. Eine verlässliche Reinheits- oder Qualitätsgarantie bedeutet der Vermerk “100% (natur)reines ätherisches Öl“. Bezeichnungen wie g & a stehen für genuin (unverändert) und authentisch.

Vielfältige Anwendungsformen

Befindlichkeiten und zu behandelnde Störungen entscheiden, welches Öl gewählt und wie dieses aufgenommen werden soll wie etwa über

  • die Nase (Duftlampen, Körper- und Raum-Sprays, Diffuserstäbchen, Trocken- und Dampf-Inhalationen)
  • die Haut (Massagen, Einreibungen, Teilbäder, Vollbäder, Wickel, Kompressen)
  • die Schleimhäute (Zäpfchen, Tampons)
  • den Verdauungstrakt (Aromaküche)

Auch viele Medikamente enthalten ätherische Öle, z.B. Pfefferminz- und Eukalyptusöl zur Schleimlösung, Kamillen- und Salbeiöl gegen Mund- und Rachenentzündungen oder Fenchel-, Anis- und Kümmelöl gegen Verdauungsprobleme.

Risiken der Aromatherapie

Ätherische Öle sind – in Apotheken, Drogerien oder im Internet – frei erhältlich, können also in Eigenregie angewendet werden. Hier lauert die Gefahr eines zu sorglosen Umgangs damit. Etwa in Form einer Überdosierung (z.B. zu intensive Duftlampenbefüllung; therapeutische Menge liegt normalerweise in der Größenordnung weniger Tropfen), die Kopfschmerzen oder Reizzustände z.B. der Haut oder Atemwege verursachen kann. Zudem kann man auch auf natürliche Duftstoffe mit allergischen Reaktionen (z.B. Kontaktdermatitis) reagieren. Deshalb empfiehlt sich bei einer Neigung zu Allergien eine Verträglichkeitsprüfung (winzige Menge Duftöl an einer Hautstelle aufbringen) vor der therapeutischen Anwendung ätherischer Öle.

Ätherische Öle dürfen niemals in die Augen oder unverdünnt auf Schleimhäute gelangen. Auch sie pur auf die Haut aufzutragen kann schaden, z.B. allergische Reaktionen und Hautreizungen hervorrufen. Zudem sensibilisieren manche ätherische Öle die Haut gegenüber UV-Licht, worauf die Körperhülle mit schweren Hautreaktionen nach Sonneneinstrahlung oder einem Solariumbesuch antworten kann.

Die orale Anwendung ätherischer Öle sollte grundsätzlich Ärzten oder speziellen Aromatherapeuten, die alle therapierelevanten und toxikologischen Eigenschaften des jeweiligen ätherischen Öls genau kennen, vorbehalten bleiben.

Besondere Vorsicht ist bei Kindern und Schwangeren geboten. So eignen sich beispielsweise ätherische Öle, die Cineol, Kampfer oder Menthol enthalten, nicht für Säuglinge und Kleinkinder, da sie Stimmritzenkrämpfe und folglich eine lebensbedrohliche Atemnot auslösen können. Bei Schwangeren wird manchen Ölen eine wehenauslösende Wirkung zugeschrieben.

Generell vom Gebrauch ätherischer Öle abgeraten werden muss bei Krankheiten wie offenen Wunden, einer erhöhten Thromboseneigung, Epilepsie (krampfauslösende Wirkung), Allergien gegen Inhaltsstoffe der Aromastoffe oder Wechselwirkungen mit angewendeten Medikamenten.

 

Weiter führende Links:
Lexikon der Aromatherapie
Österreichische Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie & Aromapflege
ÄrztInnen mit Aromatherapie – Ausbildung

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