Akupunktur: Nadelstiche als Heilmethode

© panthermedia.net, Yanik Chauvin

Längst hat sich bei uns eine fernöstliche Therapie etabliert, die mit gezielten Nadelstichen an bestimmten (Aku)Punkten für Erleichterung bei vielen Beschwerden sorgt: die Akupunktur. Manchmal funktioniert sie aber auch ohne Nadeln.

Die Akupunktur (lat.: acus = Nadel, punctio = das Stechen) gehört zur traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und basiert auf der Vorstellung, dass die Lebensenergie (das Qi) auf – 12 beidseitig angeordneten Haupt- und 8 außerordentlichen – Meridianen (spezifischen Energiebahnen) fließt und sämtliche Körperfunktionen beeinflusst. Auf diesen Bahnen liegen insgesamt rund 360 Akupunkturpunkte. Jedes Organ hängt eng mit einem bestimmten Meridian (z.B. Blasen-, Leber-, Herzmeridian, dreifacher Erwärmer) und folglich mit den darauf liegenden Akupunkten zusammen.

Störungen des Qi, d.h. zu wenig oder zu viel Energie, beeinträchtigen das Wohlbefinden und leisten der Entwicklung von Krankheiten Vorschub. Die Behandlung definierter Punkte auf den Meridianen mittels Nadelstichen soll eine Harmonisierung der Energie (Balance zwischen Yin und Yang) und damit Heilung oder wenigstens Linderung der Beschwerden herbeiführen.

Wie Akupunktur wirkt

Trotz intensiver Untersuchungen bleibt bislang ungeklärt, was genau bei der chinesischen Heilmethode im Organismus abläuft. Einige Studien sprechen dafür, dass durch die Nadeln gesetzte Reize im Gehirn die Stoffwechselaktivität ankurbeln sowie eine Ausschüttung schmerzlindernder und stimmungsaufhellender Substanzen (z.B. Endorphine, Serotonin) bewirken. Außerdem werden der Akupunktur Effekte zugeschrieben wie z.B. eine Stärkung der Immunabwehr, Durchblutungssteigerung, Muskelentspannung, Entzündungshemmung etc.

Wie Akupunktur angewendet wird

Abhängig vom Beschwerdebild werden an bestimmten Punkten am entspannt sitzenden oder liegenden Patienten dünne Nadeln bis in die Unterhaut gestochen, die dort meist rund 20 bis 40 Minuten verbleiben. Die Anzahl der Behandlungen hängt von der Schwere und Dauer der Erkrankung ab. In der Regel tritt zumindest eine Besserung bereits nach wenigen Sitzungen ein. Bei bestimmten Indikationen (z.B. Raucherentwöhnung, Gewichtsreduktion) werden zwecks anhaltender Wirkung Dauernadeln (z.B. im Ohr) gesetzt, mit einem Pflaster fixiert und mehrere Tage belassen. Eine “technische“ Variante ist die Elektrostimulation, bei der eingestochene Akupunkturnadeln via Klemmen mit einem Stimulationsgerät verbunden und minimalem Strom gereizt werden.

Neben der klassischen Körperakupunktur gibt es auch andere Akupunkturformen, z.B. die Ohrakupunktur (Auriculotherapie) und die Koreanische Handakupunktur, wo definierte Punkte am Ohr bzw. auf der Hand bestimmte Körperregionen repräsentieren, oder die Schädelakupunktur nach Yamamoto, bei der spezielle Punkte der Kopfhaut behandelt werden.

Womit Akupunktur praktiziert wird

Waren es in früheren Jahrhunderten z.B. Steinnadeln, Bambussplitter oder Fischgräten, die verschiedene Kulturen zur Nadelung verwendet haben, sind es heute in unseren Breiten sterile Einwegnadeln aus Metall, z.B. Silberlegierungen, meist aber Edelstahl mit Kunststoffgriff. Sie unterscheiden sich in ihrer Länge (25-50 mm) und Dicke (0,15-0,30 mm), je nachdem für welche Art der Akupunktur bzw. an welchen Körperstellen (z.B. Ohr oder Gesicht: kurze, dünne Nadeln) sie zum Einsatz kommen. Bei einer speziellen Form, der Pharmapunktur, werden mit einer dünnen Kanüle geringe Mengen einer Arznei (z.B. Lokalanästhetika, Vitamine oder Homöopathika) in Akupunkte injiziert.

Die Effekte einer Akupunktur lassen sich – entgegen der Bedeutung des Wortes – aber auch ohne Nadeln erreichen, z.B. mit:

  • Moxibustion (Moxa-Therapie, Moxen): Angezündete kleine Kegel oder “Zigarren“ aus getrocknetem Beifußkraut werden zwecks Erwärmung auf entsprechende Hautareale aufgesetzt.
  • Schröpfen: Von innen mit Feuer erhitzte Glaskugeln werden mit ihrer kleinen Öffnung auf die Haut aufgesetzt. Der bei der Abkühlung entstehende Unterdruck erzeugt einen Sog und fixiert so die Kugeln an der Haut.
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Auf Akupunkturpunkte geklebte Oberflächenelektroden werden elektrisch stimuliert.
  • Aku-Taping: Dehnbare Klebestreifen (Aku-Tapes) werden entlang der Meridianverläufe auf der Haut angebracht und reizen v.a. bei Bewegungen die Akupunkturpunkte.
  • Laserakupunktur (Laserpunktur): Die Laserung von Akupunkturpunkten kommt vor allem bei Kindern und empfindlichen Erwachsenen mit Nadelangst zum Einsatz, wirkt aber weniger intensiv als die Nadelung.
  • Akupressur und Akupunkturmassage (Akupunktmassage): Die Akupunkte werden per Fingerdruck stimuliert.

Wann Akupunktur hilft

Die Akupunktur ist eine Regulationsmedizin, d.h. sie (re)aktiviert Selbstheilungskräfte und ist somit an einen regenerationsfähigen Organismus gebunden. Daher eignet sie sich vorrangig zur Besserung von Funktionsstörungen und Fehlregulationen. Geschädigte Organe oder gar zerstörtes Gewebe schmälern ihre Wirkung oder machen ihren Einsatz sinnlos. Darum sollte vor Beginn einer Akupunkturbehandlung eine schulmedizinische Diagnostik auf dem Programm stehen.

Zu den zahlreichen Anwendungsgebieten der Akupunktur gehören beispielsweise Schmerzzustände (z.B. Kopfschmerzen, Migräne, Rücken- und Gelenkschmerzen, Fibromyalgie usw.), Erkrankungen des Bewegungsapparates (z.B. Karpaltunnel-Syndrom, Tennisarm, Bandscheibenprobleme), neurologische Leiden (z.B. Lähmungserscheinungen, Polyneuropathien, Neuralgien etc.), Krankheiten der Atemwege (z.B. Erkältungen, Heuschnupfen, Bronchitis, Asthma), Verdauungsprobleme (z.B. Verstopfung, Reizdarm usw.) u.v.a.m.

Wann sie schadet

Da meist mit “Stechwerkzeugen“ gearbeitet wird, sind bei der im Wesentlichen schmerzarmen Methode Hautrötungen, Hämatome (“blaue Flecken“), Taubheitsgefühle sowie ev. mit geringem Blutaustritt verbundene kleine Verletzungen an den genadelten Stellen nicht auszuschließen. Dauernadelungen können auch entzündliche Reaktionen auslösen. Iatrogene (ärztlich erzeugte) Infektionen sollten aber nicht vorkommen, da hierzulande der Gebrauch von Einwegnadeln (steril verpackt, einmaliger Gebrauch, dann Entsorgung) üblich ist. Zumindest bei fundiert ausgebildeten ÄrztInnen mit entsprechendem Diplom.

Gelegentlich führt auch das Nadelmaterial zu Problemen: So können Dauernadeln aus Silber, wie sie gerne für die Ohrakupunktur genommen werden, eine bleibende Verfärbung der Haut (Argyrose) verursachen. Zwecks Schmerzlinderung beim Einstechen mit Silikon beschichtete Akupunkturnadeln können infolge Materialablagerungen Granulome (entzündlicher Knoten) in der Haut hervorrufen.

Auch Schwindelgefühle sollen gelegentlich bei der Reizung bestimmter Akupunkte bzw. Punktkombinationen auftreten. Selten soll sogar ein passagärer Bewusstseinsverlust Folge einer Akupunktursitzung gewesen sein.

 

Weitere interessante Links:

gerac – Deutsche Akupunkturstudien

Die Österreichische Gesellschaft für Akupunktur – ÖGA

http://akupunkturpunkte-finden.de/

 

Zum Thema Alternativmedizin haben wir auch noch diese Ratgeber für Sie:

Schulmedizin vs. Alternativmedizin vs. Volksmedizin: Nutzen oder Schaden?

Manuelle Medizin & Osteopathie: Heilen mit den Händen

Kinesiologie: Muskelspannung als Gesundheitstest