Gesund reisen: Unterwegs mit Heuschnupfen, Asthma und Co.

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Luftveränderung – das ist es, was auch Menschen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD oder Heuschnupfen zu ihrer Erholung brauchen. Mehr als gesunde Urlauber sollten sie jedoch darauf achten, wohin die Reise geht und was sie am Ferienziel wann unternehmen. Dabei gilt als Faustregel: In Meeresnähe und im Gebirge sind die meisten am besten aufgehoben.

Auch Menschen mit Heuschnupfen oder chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) brauchen hin und wieder einen Tapetenwechsel. Wenn sie ihre Reisen sorgfältig planen, spricht auch nichts dagegen, dem Fernweh nachzugeben. Gerade bei saisonal auftretenden Beschwerden – z.B. im Rahmen einer Pollenallergie – ist ein Ortswechsel in Zeiten, wo der Blütenstaub fliegt, sogar ratsam. Dann wirkt eine wortwörtlich gemeinte Luftveränderung nämlich heilsam. Das tut sie meist aber auch bei perennial (ganzjährig) symptomatischen Atemwegsleiden. Doch zunächst einmal heißt es, zum Urlaubsziel zu gelangen. Auch hier gilt es einiges zu beachten, vor allem wenn es sich um eine Flugreise handelt.

Reisetauglich?

Flüge entsprechen in gewisser Weise einem Aufenthalt in großer Höhe. Die Atmosphäre im Flugzeug mit dem geringeren Luftdruck und der niedrigen Luftfeuchtigkeit bewirkt z.B., dass die Sauerstoffsättigung des Blutes sinkt, woran sich auch gesunde Reiselustige erst anpassen müssen. Für Menschen mit einer schweren obstruktiven Atemwegserkrankung wie Asthma oder einer chronischen Bronchitis bedeuten Flüge eine noch größere Belastung, denn die veränderten Luftverhältnisse erschweren die Atmung und die reduzierte Luftfeuchtigkeit begünstigt Asthmaanfälle und Infektionen. Daher empfiehlt sich vor dem Antritt einer Flugreise die Absolvierung eines ärztlichen Checks zwecks Überprüfung der Flugtauglichkeit. Am besten bei einem Facharzt für Lungenkrankheiten, der u.a. auch die Lungenfunktion testet. Sie (v.a. die Einsekundenkapazität FEV1) sollte nicht zu stark eingeschränkt und die bestehende Atemwegserkrankung stabil sein. Wie sehr ein Flug stresst, hängt jedoch vom individuellen körperlichen Leistungsvermögen ab.

Wichtig bei Auslandsreisen ist – unabhängig von der Art der Fortbewegung – das Mitführen einer mehr als ausreichenden Bedarfs- und Dauermedikation (inklusive ärztlich erstelltem individuellem Asthma-Medikationsplan) sowie wichtiger Unterlagen, d.h. ärztliche Atteste (z.B. beim Mitführen von Spritzen oder bestimmten Arzneien), die Diagnosen und allfällige andere Informationen – möglichst in der Sprache des jeweiligen Urlaubslandes, zumindest aber in englisch – enthalten im Handgepäck. Und deren Vorzeigen bei Sicherheitskontrollen (z.B. am Flughafen). Asthmatiker sollten auch ein Peak-Flow-Meter mitnehmen, um ihre Lungenfunktion überprüfen zu können. Vor allem aber entsprechende Medikamente für den Notfall. Griffbereit! Ebenso sollten zur Sicherheit Mitreisende darüber informiert sein, wie sie im Notfall helfen können.

Abgesehen davon sollte rechtzeitig vor der Abreise der landestypisch notwendige Impfschutz aufgefrischt und der Versicherungsschutz (z.B. Reiseversicherung, Rückholdienst) geklärt sein. Außerdem vorsorglich die medizinische Versorgung am Urlaubsort gecheckt werden wie etwa die Anschrift eines leicht erreichbaren Facharztes, des nächstgelegenen passenden Krankenhauses sowie einer Apotheke für den Bedarfsfall. Die Wirkstoffe der Medikamente notieren erleichtert es, wenn nötig, im Urlaubsland adäquate Präparate, die anderswo oft andere Handelsnamen aufweisen als daheim, zu erwerben.

Sauerstoffpflichtig?

Mindestens 55 mmHg sollte der Sauerstoffdruck im Blut laut European Respiratory Society während eines Fluges betragen. Dieser Wert kann unterschritten werden, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut bei Lungenkrankheiten schon vor Betreten des Fliegers erniedrigt ist. Dann wird eine Sauerstoffversorgung (auch) während des Fluges erforderlich. In diesem Fall muss spätestens 48 Stunden vor dem Abflug die Fluggesellschaft darüber informiert werden, denn Passagieren ist die Mitnahme von flüssigem Sauerstoff in Pressluftflaschen an Bord nicht gestattet. Manche Fluggesellschaften bieten aber eine Sauerstoffversorgung an, die jedoch vorab gebucht werden muss. Andere wieder verlangen ein ärztliches Attest über die generelle Flugreisetauglichkeit. Deshalb ist es notwendig, sich rechtzeitig über die Bedingungen der jeweiligen Fluglinie zu informieren, um nicht zu riskieren, auf die Reise verzichten zu müssen. Außerdem empfiehlt es sich, ein Hotel zu wählen, das ebenfalls eine Sauerstoffversorgung ermöglicht. So man bereits sauerstoffpflichtig ist, muss zudem vor Beginn des Urlaubs beim Gerätehersteller bzw. Sauerstofflieferanten abgeklärt werden, wie es am Reiseziel bezüglich einer ausreichenden Versorgung und Hilfe bei technischen Defekten aussieht.

Heuschnupfen & Co.: Allergieauslösern entfliehen

Eine Rhinitis allergica (z.B. Heuschnupfen) und ein allergisch bedingtes Asthma treten nur dann auf, wenn Allergene (Allergieauslöser) auf die Schleimhäute der Atemwege einwirken. Deshalb gilt es, Allergieauslöser möglichst zu meiden, was im Fall einer Pollenallergie, die sich ja nur ein paar Wochen im Jahr bemerkbar macht, mit einer Klimaveränderung gut gelingt. Hierfür eignen sich am besten Aufenthalte im Gebirge in einer Höhe, wo aufgrund der anderen oder spärlicheren Vegetation der Pollenflug kaum noch eine nennenswerte Rolle spielt. Oder am Meer, wo die salzhaltige Luft ebenfalls nur wenig Blütenstaub enthält.

Von solchen Reisezielen profitieren gesundheitlich auch Hausstaubmilbenallergiker, denn die winzigen Tierchen, die oft allergisches Asthma auslösen, können in der Höhenluft nicht überleben. Am besten holen Pollenallergiker vor der Abreise Informationen ein über die Pollenbelastung am Ort ihrer Wahl bzw. buchen Allergiegeplagte allergikerfreundliche Hotelzimmer (nikotinfrei, keine Tiere erlaubt, Verzicht auf Klimaanlage und Zimmerpflanzen, Verwendung milbendichter Bettbezüge).

Höhenlage, Küste und andere Reiseziele – für und wider

Da im Gebirge nicht nur die Belastung mit Pollen, sondern auch mit Schimmelpilzen und Luftschadstoffen im Allgemeinen geringer ist als in tiefen Lagen, eignen sich Reiseziele in höheren Lagen in der Regel auch für Menschen mit nicht allergisch bedingtem Asthma. Zudem fungieren die veränderte Höhenlage und die Abkühlung als Klimareize, die die Atmungsfunktion und Immunabwehr anregen. Zu weit “hoch hinaus“ sollten Asthmatiker allerdings nicht vordringen, denn z.B. in Gletscherregionen herrscht extrem kalte und trockene Luft. Sie kann Asthmaanfälle provozieren. Menschen mit COPD und häufiger Atemnot sollten ebenfalls möglichst keinen Aufenthaltsort in zu großen Höhen wählen, damit ihnen die “dünnere“ Luft keinen Sauerstoffmangel beschert. Dass sehr kalte, trockene Luft die Atemwege reizt, sollte auch beim Skiurlaub berücksichtigt werden.

Genauso ist sonniges Meeresklima grundsätzlich günstig bei Asthma. Die salzhaltige Meeresluft wirkt nämlich schleimlösend und erleichtert so das Abhusten. Doch auch hier ist bei bestimmten Umständen Vorsicht geboten. So kann etwa höher dosiertes Kortison bei direkter Sonneneinstrahlung infolge der hohen UV-Belastung eine gewisse Schwächung des Abwehrsystems bewirken. In so manchem Hotel wiederum lauert eine Klimaanlage, die neben Abkühlung eine zusätzliche gesundheitliche Belastung (z.B. durch Pilzsporen) verspricht, z.B. weil ihre Filter verschmutzt sind. Zusätzlich reizt die von ihr ausgestoßene trockene und kalte Luft die Atemwege. Die Zugluft erhöht zudem das Erkältungsrisiko.

Eine prima Kombination von Urlaub und Gesundheit für die Atemwege ist ein Aufenthalt in einem Heilbad, das Soleanwendungen (z.B. Salz- oder Soleinhalationen) anbietet. Die dortige salzhaltige Luft dringt in die Bronchien und Lungen vor und überzieht die Schleimhäute mit einem feinen Film. Da Salz hygroskopisch (wasseranziehend) wirkt, bindet es Wasser aus der Atemluft und hält es auf der Oberfläche der Atemwege fest, befeuchtet auf diese Art die Schleimhäute und löst tief sitzenden Schleim, mit dem Ablagerungen (z.B. Keime) aus den Atemwegen abtransportiert und abgehustet werden. Zudem regt die salzhaltige Luft die Aktivität der Flimmerhärchen der oberen Atemwege an, die eingeatmete Schadstoffe nach draußen befördern. Und sie desinfiziert. Da Sole (wässrige Lösung von Salzen) auch Kalzium enthält, das Entzündungen entgegenwirkt, bessern sich chronische Bronchitiden und Asthma.

Feinstaub und Autoabgase hingegen stellen für Menschen mit Atemwegserkrankungen ein besonderes Problem dar, denn sie verschlimmern die Krankheiten. Deshalb eignen sich für sie touristische Ballungszentren wie etwa Städte mit hoher Luftverschmutzung nicht als Reiseziele, weil es dort leicht zu Atemnot und Asthmaanfällen kommt. Zudem herrscht in dortigen öffentlichen Verkehrsmitteln oft schlechte Luft und viel Gedränge, weshalb Menschen mit Asthma oder COPD zur Rushhour nicht mit Bus oder Bahn in Großstädten fahren sollten.

 

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Links zu unserem Lexikon:
Heuschnupfen
Allergie auf Frühblüher
Gräser-Nahrungsmittelallergie
Asthma (bronchiale)
COPD
Chronische Bronchitis

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